Ein Wahrzeichen mustert ab
Die „Professor Landois“ geht nach 36 Jahren in den Ruhestand / Neues Schiff kommt im Frühjahr

Münster -

Willkommen in den 70ern! Hier drinnen ist alles unverändert: die staubgrauen, knirschenden Kunststoffpolster, die glänzenden Garderobenhaken, die leicht beschlagenen Schiebefenster, das hochseetaugliche Steuerrad – und sogar der Geruch erinnert an die alten Linienbusse der Willy-Brandt-Zeit. Nur die Kaffeemaschine, ein moderner Vollautomat, stört das historische Bild. Die „Professor Landois“ ist ein waschechter Oldtimer.

Freitag, 04.11.2011, 22:11 Uhr

Peter Overschmidt lächelt verständnisvoll bei so viel Enthusiasmus. „Ich spreche lieber von morbidem Charme“, sagt der Eigner des Aasee-Flaggschiffs, wobei er das Wort „morbide“ betont. Zwar hat er das Schiff so weit wiederhergestellt, „dass es noch drei oder vier Jahre fahren könnte“. Aber Overschmidt möchte den Einschnitt lieber jetzt schon machen – da besteht die Chance, dass das Schiff nicht abgewrackt wird.
Also: Die „Professor Landois“ wird außer Dienst gestellt. Am 6. November fährt sie nach 36 Jahren zum letzten Mal ihre angestammte Route von der goldenen Brücke zum Zookanal. Danach wird sie nach Stralsund gebracht – denn die Werft, die ihren Nachfolger bauen soll, will sie aufpolieren. Gut möglich, dass sie danach noch mal in Vorpommern auf große Fahrt geht.
Heinz Overschmidt, der Senior, ließ das Schiff 1975 nach dem Vorbild eines holländischen Grachtenbootes am Dümmer bauen. Damals verspürte die Stadt den dringenden Wunsch nach einem Linienverkehr zum nagelneuen Allwetterzoo, weshalb eigens die exklusive Schifffahrtslinie gegründet wurde. Als „Wasserbus zum Zoo“ transportierte das 17 Meter lange Schiff seitdem Tausende Fahrgäste auf der rund zwei Kilometer langen Strecke. 1984 war das Spitzenjahr – damals wurden 40 000 Passagiere gezählt.
Als Peter Overschmidt die „Professor Landois“ 2008 aus dem Nachlass des unerwartet verstobenen Eigners und Skippers Jochen Kauer übernahm, war sie ziemlich heruntergekommen. Er kümmerte sich darum, sorgte für neuen Schwung, steigerte die Fahrgastzahlen. Der alte Unimog-Motor oder die Magneten, mit denen sie festmacht, sind immer noch gut in Schuss. Alles andere hätte jetzt mit noch größerem Aufwand erneuert werden müssen.
Ein Wahrzeichen sei das Schiff geworden, heißt es. „Das sagen vor allem jene Münsteraner, die noch nie damit gefahren sind“, meint Peter Overschmidt lächelnd. Tatsächlich sind es vor allem auswärtige Gäste, die mit dem Schiff auf große Aaseefahrt gehen: Busgruppen, Großeltern mit ihren Enkeln, Junggesellenabschiedsclubs – und am Wochenende auch Einzelreisende.
Bis zum 6. November gibt es noch viele Gelegenheiten, Abschied zu nehmen: Das Schiff fährt täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr von den Aaseeterrassen ab – und in den Herbstferien auch am Montag.

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