Einfach zum Anbeißen
Freies Musical-Ensemble Münster zeigt „Dracula“-Premiere im Waldorf-Konzertsaal

Münster -

Dracula treibt seit Freitag sein Unwesen in Münster. Mina und Lucy hat er mit einem gut gesetzten Biss sofort total verhext. Kein Wunder, denn dieser Vampir (Christian Hentschel) hat nicht nur spitze Zähne, sondern auch gehörig viel Charme. In deutscher Erstaufführung ist er nun mit dem Freien Musical-Ensemble Münster im Konzertsaal der Waldorfschule zu Gast.

Sonntag, 13.11.2011, 16:11 Uhr

Das knallrote Theaterblut fließt in Strömen, Vampirinnen im engen Leder verführen brave Engländer, und ein wunderbar skurriler Renfield (Carsten Jaehner) speist im stilisierten Irrenhaus Insekten: „In jedem Tropfen Blut steckt ungeheure Lebenskraft!“ Aufwändige Kulissen verwöhnen das Auge – wie viele Werkzeugkeller wurden wohl für die Montage des Bühnenbildes ausgeräumt?
Ingo Budweg hat hier eine sehr liebevolle, detailfreudige Inszenierung vorgelegt und sorgt als Dirigent für sanften musikalischen Fluss. Darsteller und Musiker sind ausschließlich Amateure, lassen aber viel künstlerisches Herzblut fließen. So kommt alles gut beim Publikum an. Finsternis und rotes Licht wechseln sich fleißig ab und geben dem Vampir, der schon so oft auf Bühne und Leinwand die berühmten Beißerchen zeigte, das standesgemäße Drumherum. Dracula, Mina (Julia Hansen), Lucy (Sarah Blauwitz) und Renfield strahlen allerdings noch ein bisschen heller als die anderen Solisten im schummerigen Halbdunkel.
Das Musical „Dracula“ (Musik von Frank Wildhorn) ist aufs Ganze gesehen durchaus ein hübsches Ding, doch ist es zugleich von beachtlicher Länge und verlangt dem Zuschauer große Ausdauer ab. Hits und Ohrwürmer hat diese Musik allerdings nicht zu bieten. Ein paar Kürzungen und flottere Tempi hätten hier also sicher nicht geschadet.
Budweg hat immer auch mit Humor inszeniert und lässt die heldenhaften, aber irgendwie unwichtigen Vampirjäger mutig die Pistole auf den untoten Dracula halten. Doch ihm, einem echten Vampir der Oberklasse, schadet das alles gar nicht. Trotzdem stirbt er am Ende in den Armen Minas. Auch ein Vampir ist nur ein Mensch und wahre Liebe anscheinend stärker als blutrote Ekstasen. Das Publikum feierte die Premiere in der Waldorfschule mit unbändigem Jubel.
Ab Freitag, 18. November, finden bis zum 10. Dezember weitere Aufführungen in der Waldorfschule statt.

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