Mit Fehl und ohne Tadel
Ute Friederike Schernau zeigt im Foyer der Städtischen Bühnen Menschenkörper und Nahrungsmittel

Münster -

Ute Friederike Schernau fotografiert keinen „Akt“. Die münsterische Künstlerin betreibt „Nacktfotografie“, wie sie es nennt. „Still Eating the Universe*“ heißt ihre neuste Serie, die sie in einer Ausstellung mit elf großformatigen Fotografien präsentiert. Ihr geht es dabei weniger um die voyeuristische Inszenierung blanker Haut, ihre Hintergedanken sind tiefer gehend. Schernau will den Körper des Menschen in seinem Verhältnis zu sich und zur Welt zeigen. Im Stadttheater befragt sie den Menschenkörper zu seinem Verhältnis zur Nahrung.

Dienstag, 07.12.2010, 13:12 Uhr

Inspiriert hat sie die Aussage in der Ausstellung „Eating the universe“ in der Kunsthalle Düsseldorf . Daniel Spoerri postulierte dort, Essen sei „eine der innigsten Begegnungen mit dem Universum, was uns umgibt“. Und das inszeniert Schernau : Den Menschenkörper zeigt sie ungeschönt, mit seinen „Fehlern“, aber ohne Bewertung, setzt seinen Charakter in Bezug zu Nahrung.

So liegt ein Säugling im Arm seiner Mutter, die vom Bauchnabel abwärts noch die Linea nigra aus der Schwangerschaft zeigt. Sie säugt ihr Kind, daneben Gefäße mit Flüssigkeit, deren Farbe auf das Alpha und Omega der Säuglings-Verdauung verweist. Ein anderes Kind liegt auf einem himmlisch blauen Bett mit Sternen, doch wer genau hinsieht entdeckt Brause-Ufos. Eine junge Mutter, die offensichtlich ihr Kind lediglich aus einer Brust säugen kann, sitzt und schaut den Betrachter an. Auf ihrem Sitz sind Äpfel mit Birnen drapiert und provozieren den unsinnigen Vergleich, der nachdenklich werden lässt.

Eine andere Frau liegt auf dem Bauch, und genau dorthin bewegen sich lange Schlangen appetitlicher Käfer aus Schokolade auf dem Weg zu ihrer Endlagerstätte, dem Hüftgold. Ein junger Mann schlummert auf dem Kanapee hinter einer Reihe von Enden provenzalischen Baguettes mit kräftig aufgesprungener Kruste. Eine Lücke in der Zipfel-Reihe gibt den Blick frei auf eine große Narbe am Oberschenkel.

Eine schwarzhaarige Schönheit liegt auf Satin, ihr hageres Schulterblatt überdeckt die dünnen Trägerchen ihres Negligés, um sie herum sind süße „Kulleraugen“ drapiert. Diese Kekse liegen in strenger Geometrie wie ein Gitter.

Schernau balanciert über die Nahrungsmittel den Menschen mit seinen existenziellen Grenzen, seiner Verletzlichkeit und seiner Sehnsucht aus.

Die Ausstellung wird am Donnerstag (24. November) um 18.30 Uhr im Stadttheater, Neubrückenstraße, eröffnet. Es spricht Prof. Katharina Bosse (Bielefeld). Die Ausstellung ist während der Vorstellungen geöffnet und unabhängig vom Besuch der Vorstellungen zu besichtigen.

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