Wunderbare Sturköpfe
Pia Strietmanns „Tage die bleiben“ eröffnete das 14. Filmfestival Münster

Als die Mutter bei einem Autounfall stirbt, gerät das Leben ihres Mannes, des Sohnes und der Tochter aus den Fugen. Familiendrama und sensibel inszenierte Tragikomödie, eröffnete „Tage die bleiben“ gestern im Cineplex das 14. Filmfestival Münster. Die Westfalenmetropole ist ideal für den Film. Regisseurin und Co-Autorin Pia Strietmann wurde hier 1978 geboren, sie verarbeitete in ihrem Langfilmdebüt eigene Erfahrungen, erhielt Förderung vom Filmservice Münster und drehte in ihrem Heimatort.

Samstag, 05.11.2011, 05:11 Uhr

Dabei ist ihr, wie die so oft mit einer gestrickten Mütze auftretende Regisseurin in einem Interview andeutete, der naheliegende Begriff Provinzgeschichte suspekt: „Ich wollte eine Geschichte erzählen, die halt nicht in der Großstadt denkbar ist, sondern dort, wo man nicht anonym lebt, wo man Nachbarn und Freunde hat.“ Für Strietmann wichtig war die Zeichnung der „westfälischen Sturköpfe , die nicht viel reden, sondern alles erst mal laufen lassen, bis sich was ergeben hat.“
Das sind in „Tage die bleiben“ der notorisch untreue Ehemann Christian ( Götz Schubert ), der mit der Cellistin Laura (Teresa Mittel­staedt) eine Affäre hat, der erwachsene Sohn Lars (Max Riemelt), der sich in Berlin als Schauspieler versucht, und die pubertierende Tochter Elaine (Mathilde Bundschuh), die mit Freundin Merle (Lucie Hollmann) erwachsene Männer provoziert und „Studien“ über deren Potenz betreibt. Zwischen Tod und Beerdigung der Mutter (Lena Stolze) gehen diese Menschen den Verlust an, erleben Trauer und Trost.
Das ist nicht unbedingt ein Stoff, der volle Säle verspricht. Strietmann hat ihn mit Humor aufgelockert, der nicht aufgesetzt wirkt, sondern zur absurden Situation gehört, wenn man neben sich steht und eigentlich woanders sein möchte. Da ist etwa Lars` Freund Benjamin (Michael Kranz). Seine Arbeit als Bestatter, der mit der „Lebensdauer der Särge“ (ein roter Sarg, der aussieht wie ein Ufo) wirbt und dadurch Gelegenheit gibt, die Trauerindustrie zu karikieren, gehört zu den Kuriositäten des Films.
„Tage die bleiben“ erlebte seine umjubelte Premiere beim Max Ophüls Preis in Saarbrücken , wurde in Emden mit dem NDR-Nachwuchspreis ausgezeichnet, erhielt in Leipzig den Publikumspreis und wurde in Montreal als „A Family of Three“ gezeigt. Der Film startet im Januar regulär in den Kinos.
Das Video mit Interview von Strietmann, Schubert und Riemelt findet sich im Internet unter MOP 2011 – SR-Mitternachtstalk: Tage die bleiben.

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