Klangschön ausgesungene Bögen
Kammerchor von Hermann Kreutz singt zweiten Teil des Weihnachtsoratoriums

Münster -

Es ist schon ungewohnt, das Weihnachtsoratorium erst nach den Feiertagen zu hören – und dazu nicht mit dem gewohnten Festjubel empfangen zu werden. Keine Pauken und Trompeten, kein „Jauchzet, frohlocket“. Ehrfürchtig und klangvoll eröffnet der Kammerchor Münster unter Hermann Kreutz – denn es werden die Kantaten vier bis sechs aufgeführt, an denen sich der Weihnachtsbetrieb meist vorbeimogelt. Schon Albert Schweitzer war einst gegen komplette Aufführungen – aus Sorge, dass „der ermüdete Hörer die Schönheiten des zweiten Teils nicht mehr zu fassen vermag“. So wird er ihm heute meist ganz vorenthalten . . .

Mittwoch, 14.12.2011, 12:12 Uhr

Allein deshalb war das Konzert ein verdienstvolles. Zudem hat dieser „zweite Teil“, der Bachs Weihnachtserzählung bis zum Epiphaniasfest fortschreibt, eine Würde und Besinnlichkeit, die dem Stil von Hermann Kreutz entgegenkommt. Klangschön ausgesungene Bögen liegen ihm mehr als rhythmischer Drive.

Dem 80-jährigen Maestro gelang mit seinem Kammerchor und dem Orchester con variatione eine liebevolle Interpretation: Innigkeit hieß das Motto des Abends, der durch hochkarätige Solisten geadelt wurde. Begeisterter Beifall war der Lohn in der vollen Erphokirche.

Barbara Christina Steude wurde in der Bachstadt Mühlhausen / Thüringen ge-boren“, wird die Solo-Sopranistin im Programm annonciert. Auch die übrigen Sänger sind gleichsam Bach’schem Boden entwachsen: Tenor Albrecht Sack, der einen noblen, nie opernhaften Evangelisten gab, fing als Leipziger „Thomaner“ an; Tobias Berndt (Bass) war Mitglied im Dresdner Kreuzchor und studierte dann in Leipzig. Der Quasthoff-Schüler hat hohes Gespür für den Barockgesang. Seiner Arie „Erleucht auch meine finstren Sinnen“ will man ebenso das „Prädikat nobel“ verleihen.

Die aus Erfurt stammende Annekathrin Laabs (Alt) weiß ihre Rezitative kraftvoll zu gestalten. Indes, dem Sopran hat Bach die Echo-Arie geschenkt, die den bangen Fragen der Gläubigen mit dem Christus-Echo Antwort gibt. „Ja, du Heiland sprichst selbst ja!“, jubiliert Barbara Steude. „Ja!“ singt entfernt der Echo-Sopran (Nehle Jungekrüger). Das strahlt so hell wie der Strohstern überm Chor.

Bevor die Besinnlichkeit ganz das Gemüt umhüllt, reißen Pauken und Trompeten den Himmel plötzlich mit D-Dur-Jubel auf (toll: Gerd Radeke und Co.) Die sechste Kantate findet wieder zum altbekannten „Sound“ zurück. Da ist sie wieder, die Bach’sche Weihnachtsfreude!

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