Solar-Traum aus Aluminium
Hochmoderner Aasee-Wasserbus wird in Stralsund gebaut – Besuch auf der Werft

Münster/Stralsund -

Es herrscht, wie man im Norden so schön sagt, ein richtiges „Schietwetter“. In der Hafenstadt Stralsund gießt es wie aus Kübeln, die Wellen klatschen gegen die Kaimauer, ein eisiger Wind weht von der Ostsee rüber durch die engen Gassen der Altstadt. Peter Overschmidt hat es eilig, in die Werkshalle der Schiffswerft Ostseestaal zu kommen. Verständlich. Er will ins Trockene. Aber das ist es nicht allein, das ihn antreibt. Hier, hinter den riesigen Toren, entsteht der Nachfolger der „Prof. Landois“, die 36 Jahre über den Aasee tuckerte und dabei zu Kultstatus kam. Im November wurde das Schiff außer Dienst gestellt. Mit der Kiellegung, vergleichbar mit einer Grundsteinlegung, erfolgte jetzt der Startschuss zum Bau des hochmodernen Solarschiffes. 500 000 Euro lässt sich Segelschulbesitzer Overschmidt seinen Traum kosten.

Mittwoch, 14.12.2011, 10:12 Uhr

Neun Stunden dauerte die Busfahrt der kleinen Besuchergruppe aus Münster ins 560 Kilometer entfernte Stralsund , der offizielle Teil der Kiellegung war in weniger als einer halben Stunde erledigt. So blieb Zeit, um sich mit einem Glas Sekt in der Hand das Schiff genauer anzuschauen. Viel zu erkennen war für den Laien nicht. Lange Aluminiumplatten deuteten den Schiffsrumpf an, die Schotten waren ebenfalls bereits zu erkennen. Peter Overschmidt und die Experten der Werft sahen den Katamaran mit seinem Doppelrumpf vor ihrem inneren Auge bereits über den Aasee gleiten. Dank der Elektromotoren lautlos – die Zeit des Dieseltuckerns ist vorbei.

„Ein hochinnovatives Solarschiff, was es so auf der Welt nicht gibt“, lobte Dr. Kühm­stedt von der Stralsunder Werft. Das Besondere an dem komplett aus Aluminium gefertigten Schiff: die Energiegewinnung. Overschmidt: „An Bord wird es keinen Tropfen Diesel geben. Die Energie wird ausschließlich durch die auf dem Dach montierten Solar-Module geliefert.“ Lithium-Ionen-Batterien speichern die Energie und geben sie an die Elektromotoren weiter. Das Batterieforschungszentrum Meet an der Uni Münster überwacht die modernen Speichereinheiten online – zu Forschungszwecken. Regenerative Energien – das passt gut zum neuen Image der Stadtwerke Münster , die gerade den vom Rat der Stadt beschlossenen Energiewechsel umsetzen und daher finanziell ebenfalls mit im Boot sitzen. Die Stadtwerke bauen an der Anlagestelle Goldene Brücke übrigens eine Elektro-Ladesäule. Falls der Sommer mal wieder verregnet sein sollte.

Am 2. April wird der High-tech-Wasserbus, der künftig auch für Eventfahrten (Overschmidt: „Keine Partyfahrten“) genutzt werden soll, in Münster getauft. Der Name ist noch offen. So viel ist aber schon klar: Eine „Prof. Landois II.“ wird es nicht geben. Overschmidt: „Mit dem Solarschiff beginnt eine neue Epoche, und das muss auch der neue Name verdeutlichen.“

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