Durchgeknallt
Sprengungen am Otto-Bunker: Brocken flogen durch Fenster der Nachbarhäuser an der Lambertistraße

Münster -

Karen Hemmer liegt krank im Bett, als am Donnerstagmittag das Fenster ihre Schlafzimmers im Erdgeschoss des Hauses an der Lambertistraße mit einem lauten Knall zersplittert. Der Schreck fährt der jungen Frau ordentlich in die Glieder – als auf der Straßenseite gegenüber bei einer Sprengung am alten Otto-Bunker ein riesiger Brocken aus der meterdicken Wand kracht und nur an ein paar Eisenstreben hängenbleibt.

Donnerstag, 05.01.2012, 14:01 Uhr

Durchgeknallt : Sprengungen am Otto-Bunker: Brocken flogen durch Fenster der Nachbarhäuser an der Lambertistraße
Durch die ungewollt heftige Detonation bei der Sprengung des Otto-Bunkers krachte gestern ein großes Stück aus der meterdicken Wand. Die Erschütterung und herumfliegende Steinbrocken ließen Scheiben der Häuser gegenüber bersten. Foto: Oliver Werner

Der Bauzaun ist durch die Druckwelle und die umherfliegenden Betonteile umgestürzt und liegt auf der Straße, auch in fünf anderen Wohnungen des Acht-Parteien-Hauses, in dem Karen Hemmer lebt, sind die Fenster zu Bruch gegangen, ebenso wie in den beiden Nachbarhäusern.

Zwei Stunden später sind die Nachbarn an der Bunker-Baustelle, wo das Roxeler Unternehmen Schlattmann Wohnbau drei Stadthäuser mit mehreren Wohnungen errichtet, noch immer schockiert. „Seit November leben wir mit den täglichen Sprengungen und einen Höllenbaulärm“, erzählt Frederich Simons, direkter Nachbar des Bunkers an der Ottostraße. „Bei den Sprengungen sind schon Teller von der Wand gefallen, und wenn der Bagger arbeitet, vibriert das ganze Haus so, dass die Tassen vom Tisch rutschen.“

Am Bunker wird nach Kenntnis des städtischen Bauordnungsamtes ein in Deutschland noch sehr neues Verfahren zum Abriss durchgeführt. Der Bunker wird dabei von innen schichtweise weggesprengt. Wenn die Wände dünn genug sind, können sie abgerissen werden. Hans Riemann , stellvertretender Leiter der Behörde, war gestern Nachmittag völlig überrascht von der fehlgeschlagenen Sprengung. „Wir beo- bachten das sehr genau“, sagt Riemann. „Die Ursachen müssen geklärt werden.“ Unter Umständen werde die Stadt die Sprengungen nun untersagen.

Die genauen Umstände der überraschend heftigen Detonation sind nach Angaben des Architekten Björn Heßling von der Schlattmann Wohnbau GmbH aus Roxel noch nicht klar. Die Hintergründe sollen heute bei einer Besprechung auf der Baustelle geklärt werden, wie es heißt. Erleichterung herrscht darüber, dass es laut Heßling bei der Sprengung „keinen Personenschaden“ gegeben hat.

In der Nachbarschaft des Otto-Bunkers kamen unterdessen Spekulationen auf, wonach die Experten möglicherweise mehr Sprengstoff verwendet hätten, weil die im November begonnenen Arbeiten in Verzug seien. Eine Bestätigung für diese Vermutung gab es gestern aber nicht.

Allerdings war nach den ursprünglichen Planungen der Abriss des Bunkers bereits für Ende Januar vorgesehen. Es sei jedoch zu „leichten Verzögerungen“ gekommen, so Architekt Heßling. „Die Arbeiten ziehen sich bis März hin.“

Über diese Verlängerung sind die Nachbarn an der Baustelle alles andere als erfreut. Der Eigentümer eines der gestern beschädigten Häuser an der Lambertistraße sagt, er habe schon von Anfang an Ungemach befürchtet. Es sei ihm trotz wiederholter Nachfrage bis heute keine Bescheinigung über eine Bauherr-Haftpflicht vorgelegt worden. Die Eigentümer der Nachbarhäuser des Bunkers hatten vor Abrissbeginn befürchtet, dass durch die Sprengungen Schäden an ihren Bauten auftreten.

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