Münsters erster Rabbiner seit sieben Jahrzehnten
Efraim Yehoud-Desel hat erfolgreich sein Studium beendet

Münster -

Erstmals seit dem „Dritten Reich“ gibt es in Münster wieder einen Rabbiner. Efraim Yehoud-Desel, seit zehn Jahren in der Jüdischen Gemeinde als Kantor und Religionslehrer tätig, hat jetzt von seinem Lehrer Rabbi Dr. Tzvi Marx die Urkunde für das bestandene Studium erhalten. Der letzte amtierende Rabbiner, Julius Voos, war 1943 nach Au­schwitz deportiert und im dortigen Konzentrationslager ermordet worden.

Montag, 16.01.2012, 00:01 Uhr

Allzu viel ändert sich mit dem neuen Titel nicht für Yehoud-Desel. „Ich führe in Münster bereits seit zehn Jahren rabbinische Tätigkeiten durch – nur ohne Titel.“ Was im jüdischen Gemeindeleben keine Seltenheit sei. Dennoch entschied sich Yehoud-Desel für eine Rabbiner-Ausbildung. „Ich wollte mein Wissen erweitern und mich noch tiefer mit der Tora beschäftigen – um bei meiner Tätigkeit noch mehr Glück und Freude erfahren zu können.“

Auch für die Gemeinde ändere sich nicht allzu viel, betont Vorsteher Sharon Fehr . Yehoud-Desel werde auch künftig all das machen, was er bisher gemacht hat: als Kantor, Rabbiner und Religionslehrer. Unterricht gibt Yehoud-Desel zudem Schülern in Hagen und Minden, weshalb er sich auch als „Wanderlehrer“ bezeichnet.

Geboren wurde Yehoud-Desel in Münsters Partnerstadt Rishon Le-Zion. Dort besuchte er nicht nur eine Talmudschule, sondern studierte auch Grafikdesign. Nach Deutschland zog es ihn wegen seiner Frau, einer deutschen Jüdin, die er in Israel kennengelernt hatte. Zunächst arbeitete er in Kassel, anschließend wirkte er als Religionslehrer und Kantor in Nürnberg und schließlich in Münster. Hier hat er zudem einen Lehrauftrag an der Philosophisch-Theologischen Fakultät, ferner hält er regelmäßig Vorträge an der Universität.

Vorsteher Fehr hofft nun, dass Yehoud-Desel der Gemeinde auch nach dessen Ernennung zum Rabbiner erhalten bleibt: „Ich kenne keinen anderen Rabbiner in Deutschland, der auch noch Kantor und Religionslehrer ist.“ Insgesamt, so Fehr, gibt es in Deutschland derzeit rund 40 Rabbiner.

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