Brauner Sumpf
Staatsschutz hat „Nationale Sozialisten Münster“ im Visier

Münster -

Gerade einmal zehn bis zwölf Personen bilden die „Nationalen Sozialisten Münster“. Sie gelten als treibende Kraft für die Nazi-Demonstration am Wochenende in Münster. Damit wollen sie in der rechten Szene ihr Ansehen erhöhen.

Mittwoch, 29.02.2012, 09:02 Uhr

Brauner Sumpf  : Staatsschutz hat „Nationale Sozialisten Münster“ im Visier
Die „Antifaschistische Linke Münster“ zeigt im Internet dieses Foto von den „Nationalen Sozialisten Münster“ bei einer Demonstration in Stolberg im April 2010. Foto: Antifaschistische Linke Münster (ALM

Eine relativ kleine Gruppe von Ewig-Gestrigen versetzt die politische und zivile Stadtgesellschaft derzeit in Unruhe. Bei den „Nationalen Sozialisten Münster“, die als treibende Kraft bei der Nazi-Demonstration am Samstag auftreten, handelt es sich nach Erkenntnissen des Staatsschutzes um eine Gruppe von etwa zwölf Personen, die aus Münster oder der näheren Umgebung kommen. Polizei-Sprecher Alfons Probst: „Da gibt es keine festen Strukturen. Manchmal kommen Leute dazu, dann gehen welche wieder.“ Ernst zu nehmen sind die Neonazis dennoch, die sich nach eigenen Worten anschicken, am Samstag die „rote Hochburg“ Münster zu „erobern“.

Die münsterische Neonazi-Gruppierung gründete sich im November 2009. In Münster ist sie bislang kaum in Erscheinung getreten, dafür nimmt sie nach Information der Antifaschistischen Linken in Münster regelmäßig an auswärtigen Demonstrationen der rechten Szene teil. Unterstützt wird sie von der sogenannten „Kameradschaft Hamm“ und den „Autonomen Nationalisten Ahlen“.

Seit Frühjahr 2010 verfügen die Neonazis über eine eigene Internetseite. Mehrfach wurden Personen bedroht, die sich gegen Rechts einsetzen. Im Januar wurden Drohbriefe an vermeintliche Antifaschisten und linke Zentren verschickt. Die wiederum befürchten, dass die Adressen Achim K. geliefert hat. Der Münsteraner soll in seiner Freizeit zu den lokalen Protagonisten der „Nationalen Sozialisten Münster“ gehören. Im Berufsleben liefert er Pakete für die DHL aus. Das Unternehmen sieht nach einem Bericht von „Zeit-online“ keine Möglichkeit, gegen K. vorzugehen. So lange Mitarbeiter nicht straffällig würden, habe man keine arbeitsrechtliche Handhabe, wird dort ein Unternehmenssprecher zitiert.

der Aufmarsch

Auf der Internetseite der münsterischen Neonazis fand sich jetzt auch Carsten Peters wieder. Der Grünen-Ratsherr engagiert sich im Aktionsbündnis „Keinen Meter den Nazis“, das zu Gegenveranstaltungen am Samstag aufgerufen hat. Woraufhin im Internet der Name des Grünen mit dem Rats­informationssystem der Stadt Münster verlinkt wurde, auf dem Adresse und Telefonnummer des Politikers veröffentlicht sind. Die Sprecher von Jusos und Linksjugend wurden als „Linkschaoten“ beschimpft. Auf der gleichen Internetseite kündigten die Neonazis an, „niemanden ,mit Samthandschuhen‘ anzufassen“.

Carsten Peters sieht diese Bedrohungen mit Sorge, will sich davon jedoch „nicht einschüchtern lassen“. Wer sich gegen Rechts positioniere, müsse damit rechnen. Um so wichtiger sei es, „dass wir als Stadt Münster und Bürgerschaft am Samstag ein klares Zeichen setzen“. Etwa 130 Organisationen, Verbände und Gruppierungen treten den Neonazis im Aktionsbündnis „Keinen Meter den Nazis“ entgegen. Parteien, Gewerkschaften, Musiker, Sportler und Kirchengemeinden sind vertreten. Peters: „Das ist ein außergewöhnlich breiter Protest.“

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