Fragebogenaktion zur Umbenennung
Institut EMNID: Fragestellung zum Hindenburgplatz ist nicht „fair“

Münster -

Das renommierte Meinungsforschungsinstitut Emnid übt Kritik an der Bürgerumfrage zur Umbenennung des Hindenburgplatzes. Die Fragestellung sei nicht „fair“, so Emnid-Chef Schöppner.

Mittwoch, 22.02.2012, 06:02 Uhr

Soll der Name des Hindenburgplatzes geändert werden? Über diese umstrittene Frage entscheidet im März der Rat. Flankierend zum Urteil der Parlamentarier hat die Stadt auch einen Fragebogen an 5000 Bürger verschickt, um sich ein Bild von der Meinung der Münsteraner zu machen. „Ein für diesen Zweck wenig hilfreiches Verfahren“, sagt Klaus-Peter Schöppner . Er ist Chef des Meinungsforschungs-Instituts Emnid . Auf Bitten unserer Zeitung hat er den Fragebogen der momentan laufenden Bürgerumfrage unter die Lupe genommen.

Schöppner

► Besonders die zweite Frage der Stadt hält Schöppner für unglücklich gestellt. Dort heißt es: „Nach neueren quellengestützten Forschungsergebnissen ist der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg als Stütze des NS-Regimes anzusehen. Besteht heute noch ein Anlass, Hindenburg durch die Namensgebung für den größten Platz Münsters zu ehren?“ Eine geeignete Frage wäre nach Schöpp­ner ohne vorherige Erklärung zu fragen: „Soll der Hindenburgplatz umbenannt werden – ja oder nein?“ Die vorgeschobene Erläuterung sei von denen, die die Frage beantworten sollen, nicht überprüfbar. Um welche Forschungsergebnisse es sich handele, bleibe unklar. „Das ist eine starke Präjudizierung, ein objektives Urteil erhält man so nicht“, betont Schöppner. „Fair wäre gewesen, zu bemerken, dass die Frage umstritten ist.“

► Dieselbe Kritik übt Schöpp­ner an der nächsten Frage, bei der es um die Umbenennung von Straßen und Wegen geht. Auch hier werde die Einschätzung nahegelegt, dass es erwiesen sei, dass die bereffenden Namensgeber Stützen der NS-Gesellschaft gewesen seien.

► Grundsätzlich kritisiert Schöppner auch die Methodik der Umfrage: Der Rücklauf bei schriftlich verschickten Fragebögen sei erfahrungsgemäß sehr gering. Außerdem sei nicht sichergestellt, dass die Fragen von der Person im Haushalt beantwortet worden seien, die angeschrieben wurde. Repräsentative Ergebnisse über die Meinung der münsterischen Bevölkerung seien darum auf diesem Wege nicht zu erhalten.

Emnid gehört zu den größten Meinungsforschungsinstituten in Deutschland. Schöppner, seit 1991 dessen Geschäftsführer, hat in Münster studiert. Auf die Entscheidung zum Hindenburgplatz ist er „gespannt“.

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