Gesetzeshüter müssen trotz innerer Abneigung Neonazi-Demo schützen
Polizisten zwischen den Fronten

Münster - Wenn Neonazis marschieren, dann stehen Polizisten zwischen den Fronten. Nicht nur zwischen den verfeindeten Fronten von Demonstranten und Gegendemonstranten, sondern zwischen ihrer vermeintlichen Abneigung als Staatsbürger gegenüber rechtsradikaler Gesinnung und ihrer beruflichen Verpflichtung, auch diese nicht verbotenen Aufmärsche von Neonazis schützen zu müssen. Ein Dilemma?

Mittwoch, 29.02.2012, 17:02 Uhr

Gesetzeshüter müssen trotz innerer Abneigung Neonazi-Demo schützen : Polizisten zwischen den Fronten
Hartmut Rulle, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei Münster Foto: Matthias Ahlke

„Man muss sich schon zusammenreißen“, sagt der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei Münster, Hartmut Rulle . „Angesichts der professionellen Ausbildung ist das in den meisten Fällen aber kein Problem.“ In der dualen Polizeiausbildung in Nordrhein-Westfalen lernen angehende Gesetzeshüter in Rollenspielen und in Praktika, ihre Provokationsgrenze zu erhöhen. „Die Technik ist immer die gleiche“, so Rulle – egal, ob Atomkraftgegner, Fußballfans oder Rechtsradikale auf die Straße gehen. Dazu gehören Gesprächsführung, Einsatz von Gestik und Mimik, das Zusammenwirken mit Kollegen sowie die Anwendung von „unmittelbarem Zwang“.

Von Beleidigungen über Nerven aufreibende Laufspiele mit „Berufsdemonstranten“ bis hin zu fliegenden Pflastersteinen – „es ist eine Gratwanderung zwischen dem bloßen Ermöglichen einer Demonstration und der beweissicheren Strafverfolgung“, sagt der Polizei-Gewerkschafter. Nach derzeitiger Lageeinschätzung werde es zu derartigen Konfliktsituationen aber voraussichtlich nicht kommen. „Die Szene hier ist relativ klein.“

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