Phantom-Wohnung aus dem Netz
Betrugsfalle Internet: Internationale Betrüger in Münster unterwegs

Münster - Immer mehr Surfer fallen nämlich auf kriminelle Machenschaften im Netz herein: Sie mieten Wohnungen, die es nicht gibt, verraten die Geheimnummern ihrer Konten oder lassen sich ausspionieren. 

Sonntag, 05.02.2012, 20:02 Uhr

Phantom-Wohnung aus dem Netz : Betrugsfalle Internet: Internationale Betrüger in Münster unterwegs
Bilder aus den falschen Internet-Anzeigen. Foto: Günter Benning

Thomas Deuling kennt sich aus im Internet. Trotzdem wäre der Programmierer und Blogger fast hereingefallen auf die attraktive Wohnungsanzeige in einem kostenlosen Immobilienportal: „Eine Wohnung am Hansaring, 80 Quadratmeter, für 350 Euro.“ Das klang verlockend für den Osnabrücker, der in Münster arbeitet und umziehen will. Der einzige Haken: Die Wohnung existiert nicht.

„Das gibt es häufig“, sagt Ulrich Bahlo , Erster Kriminalhauptkommissar und Chef des Kommissariats Internetkriminalität am Friesenring. Wie bei Thomas Deuling bekommen die Wohnungssuchenden Mails mit Zahlungsaufforderungen. Mitunter folgt sogar der Schlüssel der Wohnung, den sie teuer bezahlen. Bahlo: „Da fallen die Leute wirklich blauäugig darauf rein.“

Webdesigner Deuling (www.thomas.deuling.org) zahlte nicht. Er tat, was die Polizei in solchen Fällen rät: Im Internet recherchierte er nach den Adressen – auch in der Sophienstraße wurde eine Wohnung geboten – und schöpfte Verdacht.

Häufig, so Ermittler Bahlo, sind Studenten, die im Ausland studieren wollen, vom Internet-Schmu betroffen. „Da sucht einer von Paris oder Barcelona aus ein Zimmer“, sagt Bahlo. Und rät, doch erst mal mit maps.google.com die Gegend zu erkunden. „Wer da vorauszahlt, hat in die hohle Hand gepfiffen.“

Ulrich Bahlos Kommissariat ist auf 21 Mitarbeiter aufgestockt worden: „Wir haben sehr gut zu tun.“ Kaum eine Firma, die ihre Angebote nicht auch über Netz anböte. Für Betrüger ein breites Feld. Der Experte: „Da ist der Fantasie keine Grenze gesetzt.“

Und obwohl seit Jahren gewarnt wird, fallen immer mehr Surfer auf die kriminellen Machenschaften rein. So wie der 50-jährige Sozialarbeiter und vierfache Vater, der bei einer scheinbaren Sicherheitsabfrage seiner Bank Tans und Pins preisgab. Stunden später fehlten auf seinem Konto etliche Tausend Euro.

„Keine Bank, kein Internetdienst, und auch nicht iTunes wird via Mail den Kunden auffordern, Daten preiszugeben“, sagt Ulrich Bahlo.

Hinter den Taten stecken oft ausgefeilte Strukturen. Wer Geheimdaten herausfindet, bietet sie teilweise im Internet zum Kauf an. Der Schaden kann erheblich sein. Zuletzt fasste die Polizei einen Paketbetrüger, der die Kundendaten an Postpaket-Stationen ausspioniert hatte. Er ließ sich in fremden Namen Waren schicken – und verkaufte gleich wieder. Der Schaden lag bei über 100  000 Euro.

Die Täter müssen sich auskennen. „Wenn so einer vor Ihnen sitzt“, meint Bahlo, „könnten sie einem manchmal leid tun“. Vor allem fehlt oft das Schuldbewusstsein. Jeder Ladendieb und Schläger weiß, dass er gegen die Moral verstößt. Im Internet sind Opfer und Täter nur digital verbunden – da entsteht kaum ein schlechtes Gewissen.

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