Rechtsextreme Musik
Gewaltverherrlichende CDs: Böses Spiel mit Gefühlen

Münster - Im Annette-Gymnasium wurden Schülerinnen und Schüler über die musikalischen Strategien der rechten Szene informiert.

Dienstag, 07.02.2012, 21:02 Uhr

Rechtsextreme Musik : Gewaltverherrlichende CDs: Böses Spiel mit Gefühlen
Hans Joachim Stockschläger (r.) informierte gestern im Annette-Gymnasium über rechtsradikale Bands und deren Musik. Foto: kv

„Zwölf deutsche Stimmungshits “ lautet der Titel der CD, die seit Mitte der 90er Jahre immer wieder neue Fans gefunden hat. Die Stimmungshits sind umgedichtete Coverversionen bekannter Songs: Einer heißt „Sonderzug nach Mekka “ frei nach Udo Lindenbergs Erfolgsschlager „Sonderzug nach Pankow“ aus den 80ern. Die Coverband nennt sich „Zillertaler Türkenjäger“, aber wer die Musiker wirklich sind, ist bis heute unbekannt. Das sagt Hans Joachim Stockschläger , der sich auskennt mit rechtsradikalen Bands wie den Zillertaler Türkenjägern, Stahlgewitter oder „Landser, der Band, die 2003 als kriminelle Vereinigung komplett inhaftiert wurde“.

Für den 3. März haben Neonazis in Münster zu einer Demonstration aufgerufen – und viele Menschen fragen sich, was die Initiatoren umtreibt, wie sie erfolgreich um Zustimmung werben. Auch die Schülerinnen und Schüler des Annette-Gymnasiums, in deren Musikkurs am Dienstag Hans Joachim Stockschläger, Referent der Friedrich-Naumann-Stiftung, über die musikalischen Strategien der rechten Szene informierte.

Auf Schulhöfen verteilen Anhänger mitunter die sogenannten Schulhof-CDs – um Geschmack zu machen auf mehr Musik, die Gewalt verherrlicht und Hass auf Ausländer, Juden, Homosexuelle und alle Demokraten predigt. „Die Liedtexte auf den Schulhof-CDs klingen oft harmlos, da wird momentan viel von Kapitalismus-Kritik gesungen“, erzählt Stockschläger. In den Original-Liedern der Bands sei dann das Wort Kapitalismus durch Judentum ersetzt.

Das alles kann zum Glück niemand anhören, ohne die Grenzen des Gesetzes zu überschreiten. Die Musik der Nazibands steht auf dem Index – „Jugendliche finden darin den Reiz des Verbotenen“, vermutete ein Mädchen aus dem Musikkurs von Lehrerin Claudia Strauch, die den Referenten eingeladen hatte. Stockschläger bringt Hörbeispiele, die den Annette-Schülern Kopfschütteln und schweres Stirnrunzeln abnötigen. Das Punk-Stück „Kanake verrecke“ zum Beispiel, in dem die Band „Landser“ bei Konzerten unendliche neun Minuten lang diese beiden Worte brüllend zu wiederholen pflegte.

Die Nazi-Bands spielen nicht nur Punk und Heavy Metal. Bei Bedarf werden Nazi-Techno, Nazi-Hip-Hop und ruhige Nazi-Balladen produziert. „Mit Musik wollen die Rechten die Gefühle Jugendlicher erreichen“, sagt Stockschläger. Die Ton-Beispiele für seine Vorträge vor Schulklassen erhält er von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien.

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