Repräsentative Umfrage
Jeder Zweite ist gegen Hindenburg - 48,3 Prozent plädieren für Platz-Umbenennung

Münster -

Am 21. März entscheidet der Rat der Stadt darüber, ob der Hindenburgplatz einen neuen Namen erhalten soll. In einer Bürgerumfrage der Stadt betonten 48,3 Prozent, dass es keinen Anlass mehr gebe, Hindenburg heute noch mit dem Namen eines Platzes zu ehren.

Mittwoch, 29.02.2012, 18:02 Uhr

Repräsentative Umfrage : Jeder Zweite ist gegen Hindenburg - 48,3 Prozent plädieren für Platz-Umbenennung
Am 21. März entscheidet der Rat der Stadt darüber, ob der Hindenburgplatz einen neuen Namen erhalten soll. In einer Bürgerumfrage der Stadt betonten 48,3 Prozent, dass es keinen Anlass mehr gebe, Hindenburg heute noch mit dem Namen eines Platzes zu ehren. Foto: Oliver Werner

Statistiken sind nicht nur beliebig interpretierbar – sie können auch unterschiedliche Wahrheiten enthalten. So liefern die gestern veröffentlichten Ergebnisse der städtischen Bürgerumfrage zum Thema „Straßennamen“ die Erkenntnis, dass jeder zweite Münsteraner keinerlei Anlass sieht, Paul von Hindenburg weiter mit einem Platz zu ehren – was jenen, die für eine Umbenennung des Hindenburgplatzes sind, einigen Rückenwind geben dürfte. Auf der anderen Seite betonen 35 Prozent der Befragten, dass es nach wie vor sehr wohl Gründe gebe, dass der Hindenburgplatz so heißt, wie er heißt – obwohl der frühere Reichspräsident nach neuen Forschungserkenntnissen als „Stütze des NS-Regimes“ gilt, wie es im Fragebogen hieß.

Umbenennung: So geht es weiter

Am 21. März wird der Rat über eine Umbenennung des Hindenburgplatzes entscheiden. Die entsprechende Verwaltungsvorlage soll bereits Anfang kommender Woche vorgelegt werden, so Dezernent Rainer Uetz, Leiter des Büros des Oberbürgermeisters. Welche Empfehlung sie enthalten wird, wollte er gestern nicht sagen – doch es ist zu vermuten, dass sich die Verwaltung für eine Umbenennung aussprechen wird. Uetz geht davon aus, dass die Stadt in ihrer Vorlage zudem einen Vorschlag für einen neuen Namen unterbreiten wird. Rund 15 Bürgeranregungen liegen vor – sie reichen laut Uetz von „Weißer Fleck“ bis Loriot-Platz. Bis 1927 hieß der Hindenburgplatz Neuplatz.

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Dass mehr als ein Drittel der rund 2000 – laut Stadt repräsentativ – befragten Bürger Hindenburg die Stange hält, bewertet Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer, Historiker und Vorsitzender der Kommission „Straßennamen“ (die sich für eine Umbenennung ausgesprochen hatte), als „erschreckend, aber nicht überraschend“. Seine Vermutung: „Entweder halten sich falsche Bilder von Hindenburg hartnäckig in den Köpfen – oder die Umfrage und ihre Bedeutung wurden geringgeschätzt.“ Thamer vermutet zudem, dass die Umfrage ein lieb gewonnenes Festhalten an einem Platznamen widerspiegelt, der seit 1927 existiert, aber am 21. März zur Disposition steht, wenn der Rat über eine Umbenennung abstimmt.

In der Umfrage, an der mehr als 40 Prozent der 5250 zufällig ausgewählten Münsteraner teilnahmen, sprachen sich knapp 70 Prozent dafür aus, Personen generell mit Straßen- oder Platznamen zu ehren. Für eine Umbenennung von Straßen, deren Namenspaten „Stützen des NS-Regimes“ waren, sind 22,6 Prozent der Befragten, weitere 16,2 Prozent sind für eine Umbenennung samt Hinweisschild auf den früheren Namen. 27,6 Prozent lehnen hingegen eine Namensänderung ab, 30,2 Prozent wollen den alten Namen behalten, aber ein Hinweisschild anbringen. Generell gilt für die Umfrage: Jüngere Teilnehmer sehen NS-belasteten Straßennamen kritischer als ältere.

Dass in der Umfrage nicht ganz gezielt danach gefragt wurde, ob der Hindenburgplatz umbenannt werden soll, begründet Dezernent Rainer Uetz damit, „dass es sich nicht um einen Bürgerentscheid handelte – die Entscheidung fällt schließlich der Rat“. Nach Einschätzung von Dr. Thomas Hauff vom Stadtplanungsamt liegen die Ergebnisse „sehr nah am Meinungsbild der Münsteraner“.

Beim von den WN in Auftrag gegebenen Münster-Barometer hatten sich im Herbst 75,4 Prozent der Befragten gegen eine Umbenennung ausgesprochen.

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