Zu Besuch an der Ottostraße 19
Bunkerabriss lässt die Wände wackeln

Münster -

Der Abriss des Kriegsbunkers an der Ottostraße stellt für die Nachbarn eine schwere Belastung dar.

Freitag, 17.02.2012, 13:02 Uhr

Zu Besuch an der Ottostraße 19 : Bunkerabriss lässt die Wände wackeln
„Dieser Abbruch hätte nie genehmigt werden dürfen.“ Wenn Friedrich Simons den Dachgarten an seinem Haus betritt, blickt er auf ein gewaltiges Loch. Die Abrissarbeiten am Bunker Ottostraße lassen sein Haus regelrecht erzittern. Foto: kb

Friedrich Simons ist inzwischen Experte für Erschütterungen – unfreiwillig. Als der Bagger mit dem großen Hydraulikhammer nach Sekunden der Ruhe wieder seine Arbeit aufnimmt, blickt Simons auf die Kaffeetassen in der Glasvitrine: „Jetzt arbeitet er sich durch weicheres Gestein.“

In der Tat: Lärmbelastung und Vibrationen in dem Altbau steigen noch einmal dramatisch an, als sich der Bagger kurze Zeit später ein ordentliches Stück Beton zur Brust nimmt. Die Szenerie ist derart beängstigend, dass der Besucher im Wohnzimmer der Simons besorgt die Standfestigkeit des Regals in seinem Rücken begutachtet. Mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus gibt der Hausherr Entwarnung: „Alles, was schwer und wertvoll ist, haben wir bereits anderweitig verstaut.“

Donnerstag, 11 Uhr, Ortstermin an der Ottostraße . Das Haus Nummer 19 liegt nur einen Steinwurf von dem alten Kriegsbunker entfernt, der derzeit abgerissen wird, um Platz für neue Wohnungen zu machen.

Simons Schwiegermutter Luise Billermann im Erdgeschoss kann den „Steinwurf“ wörtlich nehmen. Wenn sie ihr Badezimmerfenster öffnet, blickt sie auf einen gewaltigen, meterhohen Schuttberg, der in den vergangenen Monaten aus dem Bunker herausgesprengt und herausgehämmert wurde. Vater, Mutter, vier Kinder und Oma gehen „inzwischen am Stock“, wie Susanne Simons gesteht. Seit Oktober täglich zwei bis fünf Sprengungen, seit wenigen Tagen überdies der Hydraulikhammer, dessen Lärm morgens ab 7.15 Uhr durch das dicht bebaute Quartier hallt.

Wie lange der Hammer noch im Einsatz sein wird, kann Markus Moß aus Lingen nicht sagen. Sein Unternehmen wurde mit den Abbrucharbeiten beauftragt. Eigentlich sei geplant, eine Betonzange einzusetzen. Aber an den „Eckpunkten des Bunkers“ reiche sie nicht aus. Auch für die „unteren Bereiche“ sei der Hammer unumgänglich, kündigt Moß weitere Einsätze an.

Im Quartier macht derweil eine andere Erklärung die Runde. Die Sprengungen, die die meterdicken Wände von innen „aushöhlen“ sollen, zeigen bislang noch nicht die erhoffte Wirkung. Die Wände seien schlicht noch zu dick, um die Zange einsetzen zu können. Ohnehin sind die Abbrucharbeiten im Verzug, die Nachbarn gehen von weiterem, monatelangem Krach aus.

Das Bauordnungsamt, so die Auskunft des Leiters Dirk Lohaus, möchte den Vorgang erneut überprüfen. Friedrich Simons hat sich derweil sein Urteil gebildet: „Dieser Abriss hätte nie genehmigt werden dürfen.“

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