18. November 1944: Egon Kuhl überlebt die Bomben-Explosion im Schützenhof-Bunker
Hier starben 68 Menschen

Münster -

Egon Kuhl war gerade mal vier Jahre alt, als wenige Meter von ihm entfernt 68 Menschen starben. Während eines alliierten Fliegerangriffs hatte Kuhl mit seinen Eltern und Geschwistern Zuflucht im Schützenhof-Bunker gesucht, als das massive Gebäude plötzlich von einer gewaltigen Explosion erschüttert wurde. „Der Bunker war von einer Bombe getroffen worden“, erinnert sich Kuhl. „Sofort füllte sich das gesamte Gebäude mit Dreck und Staub.“

Sonntag, 04.03.2012, 15:03 Uhr

Erst Stunden nach der Explosion durfte der unverletzte Kuhl mit seinen Angehörigen den Bunker wieder verlassen. „Mein Vater trug mich auf dem Arm“ – vorbei an den entlang der Wörthstraße aufgereihten Leichen.

Am Abend ging das Leben wie gewohnt weiter, berichtet Kuhl. „Ich kann mich nicht erinnern, dass ich geschockt war.“ Auch 58 Jahre nach dem folgenschweren Angriff lebt Egon Kuhl noch immer im gleichen Haus wie damals, keine zehn Meter vom Bunker entfernt. Seit 58 Jahren schaut er jeden Morgen auf das abweisende, inzwischen von Efeu umrankte Bauwerk. Erinnerungen an den 18. November 1944 kommen nur selten auf, versichert er. „Nach dem Krieg war der Bunker einfach nur da, mehr nicht. Wir haben uns mit dem Bunker arrangiert, leben mit ihm.“

Bald wird Egon Kuhl von dem Gebäude, in dem nicht nur Menschen starben, sondern auch viele Menschen den Krieg überlebten, Abschied nehmen müssen. Der Besitzer, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben , will den Bunker verkaufen. Bis zum 30. März können Interessenten Gebote abgeben – und von denen scheint es eine Menge zu geben: „Es waren bestimmt schon 20 Gruppen da, um den Bunker zu besichtigen“, berichtet Kuhl, der das Gebäude aus seinem Elternhaus immer im Blick hat. Nach dem Verkauf soll der Bunker abgerissen werden und Wohnungen Platz machen.

Das sei eine gute Entscheidung, meint Kuhl, „so ein Gebäude passt schließlich nicht mehr in unsere Zeit“. Verkauf, Abriss und Neubau sollten jedoch nicht überstürzt über die Bühne gehen, appelliert Kuhl. Er hat sich daher mit Winfried Welter und rund 30 weiteren Nachbarn zusammengetan. Gemeinsam wollen sie sich dafür einsetzen, dass die Planungen für das neue Quartier „in aller Ruhe“ vorgenommen werden, damit die gesamte Umgebung vom Ergebnis profitiert.

Zudem setzen sie sich für einen überlegten Abriss ein, damit es nicht zu Zwischenfällen wie beim Rückbau des Otto-Bunkers kommt, wo benachbarte Gebäude beschädigt wurden. Schließlich fordern die Anlieger, die Erschließung der geplanten Wohnungen so zu regeln, dass sich Beeinträchtigungen in Grenzen halten.

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