Student aus Münster erlebt „Terrorkrise“ vor Ort
Bewohner von Toulouse bleiben nach Mordserie entspannt

Münster/Toulouse -

Wenn Studierende ins Ausland gehen, freuen sie sich auf eine spannende Stadt, neue Bekanntschaften und schöne Erinnerungen. Ein Politikstudent aus Münster, wird sich nach seinem Austauschjahr vermutlich vor allem an die Terrorserie in der südfranzösischen Studentenstadt erinnern.

Freitag, 23.03.2012, 15:07 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 23.03.2012, 15:07 Uhr
Student aus Münster erlebt „Terrorkrise“ vor Ort: Bewohner von Toulouse bleiben nach Mordserie entspannt
Nach einem heftigen Schusswechsel hatte die Polizei den Toulouse-Täter eingekesselt. Foto: dpa

Einen Tag nach dem „Nervenkrieg von Toulouse“ ist wenig zu spüren von einer „Terrorkrise“ in der zweitgrößten Studentenstadt Frankreichs. „Die Cafés und Bars sind voll. Ich spüre keine Veränderung zu vorher“, schildert der Münsteraner die Stimmung in der südfranzösischen Großstadt. Weder dominierten Polizisten die Straßen, noch ließen sich die Einwohner davon abhalten, genüsslich am Ufer des Flusses Garonne in der Sonne zu liegen. „Selbst am Montag habe ich keine Sicherheitsmaßnahmen getroffen und bin wie immer einkaufen gegangen“, sagt der gebürtige Badener, der seit September zwei Auslandssemester am renommierten Politikinstitut von Toulouse absolviert.

Am Montag hatte Mohammed Merah , ein 23-jähriger Franzose algerischer Abstammung, vor einer jüdischen Schule im Zentrum von Toulouse drei Kinder und einen Lehrer erschossen und war bis Donnerstag auf der Flucht gewesen. „Ich saß gerade im Französischunterricht und habe über das Internet davon erfahren.“

Während von der anschließenden Suche nach Merah, der 30-stündigen  Belagerung seines vermeintlichen Versteckes sowie seiner Tötung durch Spezialeinheiten kaum etwas in der Stadt zu spüren war, so der Münsteraner, ist das beschauliche Toulouse ins Zentrum der Berichterstattung und der politischen Debatte gerückt: „Es gibt jeden Tag Sondersendungen, Talkshows, Sonderseiten.“

Die innere Sicherheit ist zum Topthema geworden und Präsident Nicolas Sarkozy und seine Herausforderer greifen die Mordserie vier Wochen vor den Wahlen dankbar auf. „Wahnsinn, wie der Vorfall instrumentalisiert wird“, so der Politikstudent. An seinem Institut wurde indes kaum darüber gesprochen. „Es wäre interessant gewesen, die Konsequenzen für den Wahlkampf zu analysieren.“ Doch dafür scheint keine Zeit. „Die Uni geht ganz normal weiter.“

Dennoch wird das Ereignis der Münsteraner sowie die meisten Franzosen auch noch einige Zeit beschäftigen. Zu viele Fragen sind ungeklärt. Warum konnte es überhaupt zu den Morden kommen, wenn Mohammed Merah dem Geheimdienst bekannt war? Selbst die Umstände der Polizeiaktion geraten in die Kritik. Warum hat man den Täter nicht mit Tränengas zum Aufgeben gezwungen, fragt etwa der frühere Leiter der Spezialeinheit GIGN, Christian Prouteau. „Wie kann es angehen, dass es der besten Einheit der Polizei nicht gelingt, einen einzigen Mann festzunehmen?“, warf er in einem Interview die Frage auf.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/687482?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F597155%2F696279%2F
Manolito Schwarz im Recall-Finale
Manolito Schwarz
Nachrichten-Ticker