Berufspendler waren gut vorbereitet
Warnstreik in Münster: Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes ziehen durch die Stadt

Münster - Der Warnstreik der Beschäftigten im öffentlichen Dienst ist vorbei. Etwa 100 Busse der Stadtwerke haben den Betriebshof in Münster verlassen. Im Laufe des Nachmittags soll sich der öffentliche Nahverkehr wieder eingependelt haben, heißt es seitens der Stadtwerke. Insgesamt verlief der Tag ruhig.

Mittwoch, 07.03.2012, 09:03 Uhr

Ungewöhnliche Ruhe am Hauptbahnhof Münster zum frühen Morgen: Wo sonst tausende Berufspendler zwischen 7 und 8 Uhr zu ihren Bussen laufen, herrschte am Mittwochmorgen fast Leere. Scheinbar gut vorbereitet auf den Warnstreik im Öffentlichen Dienst wurden nur wenige überrascht oder ließen es aus Mangel an Alternativen drauf ankommen. Seit 9 Uhr zogen zwischen 400 und 450 Beschäftigte durch die Stadt und demonstrierten für höhere Gehälter.

"Wir holen uns unseren Ehrensold", sagte Bernd Bajohr , Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Münsterland. Er führte die Streikenden unter dem Motto "Wir sind es wert" von der AWM-Zentrale an der Rösnerstraße zu einer Kundgebung auf dem Prinzipalmarkt, um für eine höhere Besoldung im Öffentlichen Dienst zu demonstrieren. Die Gewerkschaft Verdi und die Tarifunion des Beamtenbundes dbb verlangen ein Plus von 6,5 Prozent - mindestens aber 200 Euro im Monat. Zwischen Rhein und Weser betrifft der Tarifkonflikt laut Verdi fast 580.000 Beschäftigte.

Die Arbeitgeber hatten bei der ersten Verhandlungsrunde vergangene Woche kein Angebot vorgelegt. Darüber äußerte sich Bajohr verärgert: "Die Öffentlichen Arbeitgeber wissen ganz genau, dass wir erheblichen Aufholbedarf haben." Er forderte unter anderem auch die unbefristete Übernahme von Auszubildenden. Busfahrer Rolf Wischer sagte, "ein Busfahrer verdient 1900 Euro brutto und ist damit an der Grenze zur Aufstockung mit Hartz IV, wenn er Alleinverdiener ist".

Die Tarifparteien wollen sich nächsten Montag und Dienstag erneut zusammensetzen. Mit roten Trillerpfeifen verliehen die Gewerkschaftler ihren Forderungen Nachdruck, darunter auch die regionale Betriebsratsvorsitzende der insolventen Drogeriekette Schlecker, Susanne Böddeling. "Der Warnstreik ist für die Schleckerkollegen der richtige Weg für gute Arbeit, die wir alle leisten, auch gutes Geld zu bekommen."

Busfahrer und Beschäftigte der Abfallwirtschaftsbetriebe bei einer Kundgebung auf dem Prinzipalmarkt.

Busfahrer und Beschäftigte der Abfallwirtschaftsbetriebe bei einer Kundgebung auf dem Prinzipalmarkt.

Den Warnstreik bekamen vor allem zum Berufsverkehr die Busreisenden zu spüren: "Ich komme jetzt 40 Minuten zu spät", sagte Marco Wolters. Der wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität Münster kam aus Osnabrück und stand um 7.45 Uhr an der Bushaltestelle vor dem Hauptbahnhof - unentschlossen, ob er nun laufen oder auf die Linien 15 oder 16 warten solle. Verärgert war er allerdings nicht: "Das passt schon, das ist alles berechtigt."

Die Schülerinnen Katharina Woywode, Tina Höhn und Luzi Radke kamen mit dem Zug aus Lengerich und Rinkerode und fanden das Warten auf einen Bus "ziemlich blöd". "Wir müssen eigentlich zu Schule", so die Elfklässlerinnen. Sie "wussten zwar vom Streik, aber nicht wie weit und wie stark". Die erste Unterrichtsstunde würden sie damit wohl verpassen.

Kamen zu spät zur Schule (von links): Luzi Radke, Katharina Woywode und Tina Höhn aus Lengerich und Rinkerode.

Kamen zu spät zur Schule (von links): Luzi Radke, Katharina Woywode und Tina Höhn aus Lengerich und Rinkerode.

Ebenso ein Schüler des Overbergkollegs, der nicht genannt werden wollte: "Ich müsste jetzt eigentlich gerade eine Klausur schreiben." Er habe am Dienstag von dem Streik gehört und noch versucht, ein Fahrrad vom Nachbarn zu leihen. "Schlimmstenfalls hätte ich ein Taxi genommen." Doch das musste er nicht. Er kam - mit Verspätung - mit der Buslinie 16 an sein Ziel.

Die meisten Schüler schienen es dennoch pünktlich zum Unterricht geschafft zu haben. "Ein Schüler hat sich abgemeldet", hieß es am Ratsgymnasium. Dem Schillergymnasium waren gar keine fehlenden Schüler bekannt.

Ärger kam bei Tahani Al-Abtah aus Beckum auf. "Ich hab's gestern gelesen, aber ich dachte, es wird nicht so extrem." Die junge Frau war seit 6 Uhr morgens unterwegs. Von Beckum über Hamm zum Hauptbahnhof Münster wollte sie weiter zur Arbeit nach Gelmer. Um 7.45 Uhr wusste sie noch nicht, wie lange sie noch auf einen Anschluss warten muss.

Tahani Al-Abtah aus Beckum hatte mit weniger Beeinträchtigungen gerechnet.

Tahani Al-Abtah aus Beckum hatte mit weniger Beeinträchtigungen gerechnet.

Bereits seit einer Stunde wartete Markus Thier aus Sendenhorst am Hauptbahnhof auf Anschluss. "Ich möchte jetzt eigentlich bei der Arbeit sein", sagte der Mitarbeiter der Firma Hengst. Dort seien er und seine Kollegen am Dienstag per Rundschreiben über den Warnstreik informiert worden. Daher müsse er nicht mit Ärger vom Chef rechnen.

An Knotenpunkten wie dem Hauptbahnhof hatten die Stadtwerke Servicekräfte aufgestellt, die Auskunft zu den noch fahrenden Bussen gaben. "Die Stimmung ist okay", sagte ein Mitarbeiter. Lediglich die Linien 3 und 4 fuhren am Mittwochmorgen nach Fahrplan. "Die Busse, die sie im Stadtverkehr sehen, werden von privaten Subunternehmen gefahren", sagte Stadtwerke-Sprecherin Petra Willing.

Manche Busse fahren dennoch

Busse von privaten Unternehmen fuhren dennoch.

Von mehr als 150 Bussen seien unter 50 noch auf den Straßen. "Ab 14.30 Uhr gehen die Linien wieder raus. Wann wir dann wieder im Fahrplan sind, ist unklar", so Willing. 200 von 300 Busfahrern, Werkstattmitarbeiter und Servicekräften beteiligen sich nach Angaben der Stadtwerke Münster am heutigen Warnstreik.

Dem Taxigeschäft schien der Warnstreik jedoch keine nennenswerten Zusatzverdienste einzubringen. "Wir haben es gegen 7 Uhr zwar gemerkt", sagte Taxifahrer Johannes Kloosterhuis. Doch die Anrufe seien 7.30 Uhr wieder rapide zurückgegangen. "Es gab aber mehr Privatverkehr", sei Kloosterhuis vor allem auf dem Alberloher Weg aufgefallen. Er war seit sechs Uhr im Dienst gewesen. Bis 8 Uhr morgens hatte er drei Gäste gefahren. "Das ist relativ normal."

Taxifahrer Johannes Kloosterhuis hatte zwischen 6 und 8 Uhr nur drei Fahrten, was durchaus normal ist.

Taxifahrer Johannes Kloosterhuis hatte zwischen 6 und 8 Uhr nur drei Fahrten, was durchaus normal ist.

Der Polizei Münster waren weder Behinderungen noch Staus trotz eines "gefühlt höheren Verkehrsaufkommens" in Münster bekannt. "Alles sehr entspannt", sagte Polizeisprecherin Alexandra Kampmann-Kriens.

"Die städtische Poststelle ist vom Warnstreik betroffen: Etwa 10.000 Sendungen gehen heute nicht raus", sagte der Sprecher der Stadt Münster, Joachim Schiek am Mittwoch. Rund 3000 eingehende Sendungen würden heute liegen bleiben, ebenso 5000 Schriftstücke zur internen Verteilung. In der in der Kfz-Zulassung und im Bürgerbüro Mitte lief der Betrieb normal. "Dort arbeitet eine größere Zahl Beamter, die nicht streiken dürfen", sagte Schiek. 

Die Parksituation an den Straßen war nach Angaben des Ordnungsamtes entspannt. "Ein paar aus dem Team der Verkehrsüberwachung beteiligen sich am Warnstreik, deshalb kann es sein, dass der eine oder andere Falschparker heute ohne Knöllchen davonkommt", so Schiek.

In Münster-Hiltrup blieb der Müll stehen.

In Münster-Hiltrup blieb der Müll stehen.

Die Müllabfuhr kam wie angekündigt nicht.

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