Diskussion im Rathausfestsaal
„Schafft den Hindenburgplatz ab!“

Münster -

„Ehre, wem Ehre gebührt?!“ lautet der Titel der Diskussion, zu der die Stadt im Vorfeld der Ratsentscheidung über eine Umbenennung des Platzes eingeladen hat. Das Podium ist hochkarätig besetzt. „Der Platz muss neu benannt werden, Hindenburg war kein Vorbild“ – dieser Einschätzung, die Oberbürgermeister Markus Lewe zu Beginn äußert, mag niemand auf dem Podium widersprechen.

Donnerstag, 01.03.2012, 00:03 Uhr

Diskussion im Rathausfestsaal : „Schafft den Hindenburgplatz ab!“
Mehr als 300 Menschen kamen gestern Abend in den Rathausfestsaal, um die Diskussion „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ über umstrittene Straßennamen zu verfolgen. Foto: Oliver Werner

„Die Hindenburgplatz-Debatte ist wie Loch Ness : Alle zehn Jahre taucht sie auf“: Der das sagt, muss es wissen – Dr. Jörg Twenhöven ist ein politisches Urgestein, er brachte es bis zum Oberbürgermeister dieser Stadt. Nun, so scheint es, hat er genug von dieser Debatte: „Alles liegt auf dem Tisch, der Rat muss sich bekennen. Schafft den Hindenburgplatz ab und nennt ihn Schlossplatz“, fordert Twenhöven – und erhält dafür am Mittwochabend von den rund 300 Zuhörern im Rathausfestsaal kräftigen Beifall.

„Ehre, wem Ehre gebührt?!“ lautet der Titel der Diskussion, zu der die Stadt im Vorfeld der Ratsentscheidung über eine Umbenennung des Platzes eingeladen hat. Das Podium ist hochkarätig besetzt, die Professoren Alfons Kenkmann und Hans-Ulrich Thamer bewerten den früheren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg aus der Sicht des Historikers, neben Twenhöven diskutieren Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ und Sharon Fehr, Vorsteher der Jüdischen Gemeinde.

„Der Platz muss neu benannt werden, Hindenburg war kein Vorbild“ – dieser Einschätzung, die Oberbürgermeister Markus Lewe zu Beginn äußert, mag niemand auf dem Podium widersprechen. Thamer bezeichnet Hindenburg als „Unheilsfigur der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts“ – ganz gezielt habe dieser die Etablierung der NS-Diktatur vorangetrieben. Für Kenkmann wäre es „eine Form später Gerechtigkeit“, statt Hindenburg die Opfer und Widerständler des Dritten Reiches mit Straßennamen zu ehren.

Dass über eine Umbenennung in Münster überhaupt diskutiert wird, wertet Stollberg-Rilinger als Zeichen für eine „lebendige, demokratische Erinnerungskultur“. Für Sharon Fehr steht fest: „Die Namen von Menschen, die das NS-Regime stabilisiert haben, gehören nicht auf Straßenschilder.“ Durch Straßen zu gehen, bei denen das nach wie vor der Fall ist, falle jüdischen Mitbürgern nach wie vor schwer. Wie Kenkmann plädiert auch Fehr dafür, künftig bei der Auswahl von Straßennamen verstärkt an „Widerstandskämpfer, Opfer und mutige Menschen“, die sich dem NS-Regime widersetzten, zu denken.

Mehr als zweieinhalb Stunden wird diskutiert – ruhig, sachlich, auf hohem Niveau. Das gilt auch für die Anmerkungen der Zuhörer. Einer unterstellt Thamer und Kenkmann, die Causa Hindenburg allzu sehr geschichtspolitisch zu bewerten, ein anderer kritisiert die Info-Kampagne der Stadt als zu voreingenommen. Doch das sind nur einige von ganz wenigen kritischen Tönen an der Veranstaltung – und an der Absicht, dem Hindenburgplatz seinen Namen zu nehmen.

Die Podiumsdiskussion am Mittwochabend ist die letzte Station auf dem Weg zur Entscheidung am 21. März. Der frühere Weihbischof Friedrich Ostermann erhält für seine Zusammenfassung des Abends Szenen-Applaus: „Ich bin für diese Nachhilfestunde dankbar“, sagt Ostermann. Und stellt dann klar: „Ich möchte, dass die Zeiten des Nationalismus nicht mehr wiederkommen in Europa. Es ist eine gute Sache, wenn wir nun endlich einen Schlusspunkt setzen.“

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