Ende des Jahres soll die York-Kaserne leer sein
Ein Stück Abschiedsschmerz

Münster -

„If I were you, I´d be careful taking photos.” Wenn ich Sie wäre, würde ich vorsichtig sein, Bilder zu machen. Der britische Soldat taucht ganz plötzlich auf. Sein rotes Barett sitzt leicht schräg. Darunter leuchtet sandfarbenes Haar. Seine Worte sind bestimmt. An der Einfahrt der York-Kaserne patrouilliert ein Wachmann. Über ihm weht der Union Jack. Gegenüber hängt eine Deutschlandfahne an einem Balkon.

Mittwoch, 28.03.2012, 13:03 Uhr

Ende des Jahres soll die York-Kaserne leer sein  : Ein Stück Abschiedsschmerz
Die York-Kaserne in Gremmendorf wird bis Ende des Jahres von den Briten geräumt. Foto: Luftbildkontor Fischer

Seit 65 Jahren leben Deutsche und Briten am Albersloher Weg. Auf der einen Seite die Kaserne, auf der anderen die kleine Vorstadt-Einkaufsstraße Gremmendorfs mit Parkplatz. Zwei Apotheken, ein Imbiss, eine Bäckerei. Der Laden „sun3 – beauty, nails & more“ hat zwei Schaufenster: Im rechten heißt es „Solarium, Schmuck, Kosmetik“. Links steht „sunbeds, jewels, cosmetics“. Das ist bald nicht mehr nötig.

„Ich werde die Briten vermissen. Ganz einfach, weil die Kaserne ein Stück weit zu Gremmendorf gehört. Die hat das Leben hier schon auch mitgeprägt“, sagt Blumenhändler Torsten Hanhart und wendet sich wieder seinem Kunden zu. Er betreibt das Blumenatelier gegenüber des Kaserneneingangs seit 40 Jahren. Die Gemeinschaft von Gremmendorfern und Briten gestaltet er tagtäglich mit. „Zu festlichen Anlässen gab der Engländer gern mal 40 Mark für einen Rosenstrauß aus.“ Die Kaserne ist für ihn keineswegs eine Black Box. „Ich habe in der Kaserne mal die Deko gemacht. Das sind alles nette Leute da.“

Gebaut wurde die Kaserne ab 1935 im Auftrag des Reichsluftfahrtministeriums. Nach Kriegsende wurden polnische und russische Zivilarbeiter dort untergebracht. 1947 kamen die Briten. Nun gehen sie wieder. Das Gelände gehört der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben , und die Stadt bereitet die Neunutzung der Flächen zusammen mit ihr vor. Verlassen werden nicht nur die York-Kaserne in Gremmendorf, sondern auch die Oxford-Kaserne in Gievenbeck, sowie die Wohnstandorte in ganz Münster.

Bis Ende 2014 gehen etwa 3000 Briten weg. Ihre Familien mitinbegriffen. In Gremmendorf muss entschieden werden, was mit 50 Hektar Kasernenfläche gemacht wird, einer Fläche, größer als der Aasee. Der Soldat setzt zum Gehen an. Er schüttelt leicht den Kopf. „You won‘t be able to get in the barracks.“ Niemand kann also hineinkommen.

Die Koffer sind gepackt

Er zieht die Schultern hoch und dreht sich um. Über seinem Tarnanzug trägt er einen roten Gürtel. Dann verschwindet er im Fußgängereingang der Kaserne. Nach ihm manövriert eine junge Frau in einem pinkfarbenen T-Shirt und schwarzer Sonnenbrille einen Kinderwagen durch den schmalen Eingang. Sie verschwindet hinter der hohen Mauer mit drei Reihen Stacheldrahtzaun.  „Doch, ich war da schon drin.“ Eugen Adler nickt heftig. Der 74-Jährige lehnt an seinem Fahrrad. „Das war mit der katholischen Arbeiterbewegung. Die haben eine Besichtigung organisiert, vor etwa zwei Jahren. Alles sehr sauber und ordentlich da.“

Er schmunzelt. „Da hängen auch viele Bilder von Personen, die schon mal da waren.“ Wer denn? „Na ja – die ganzen britischen Prinzessinnen, nicht wahr?“ Prinzessinnen werden keine mehr kommen. Eugen Adler radelt davon. Der Blick auf die parkenden Autos wird frei. MS neben GB, VW Linkslenker neben Land Rover Rechtslenker. „Ganz normal“, sagt Apothekenleiterin Hildegard Laudick-Deitmaring und versichert, dass es keine Probleme im Zusammenleben zwischen Münsteranern und Briten gibt.

Luise Ritter ist Stipendiat der Journalisten-Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung und zurzeit auf einem Ausbildungsseminar für junge Journalisten in Münster.

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