Es gibt keinen Weg zurück
Bürgerbegehren pro Hindenburgplatz

Die Münsteraner haben schöne Erinnerungen an „ihren“ Hindenburgplatz. Sie sind dort Karussell gefahren, haben auf dem Send vielleicht zum ersten Mal geküsst. Sie verbinden mit dem Hindenburgplatz unbeschwerte Stunden der eigenen Biografie – und nicht die des alten Feldmarschalls.

Samstag, 24.03.2012, 13:03 Uhr

Am Mittwoch bei der Abstimmung...
Am Mittwoch bei der Abstimmung... Foto: Karikatur: Arndt Zinkant

Welche Rolle spielte jener Hindenburg bei der Machtergreifung Hitlers? An dieser Frage entzündete sich längst nicht nur unter Historikern ein heftiger Streit. Hindenburg spaltet die Stadt, wie die Flut von Leserbriefen in den WN zeigt. Die von einigen polemisch geführte Debatte über die historische Rolle Hindenburgs muss mit dem eindeutigen Ratsbeschluss für einen Schlossplatz vom Tisch sein. Zumal die Argumente längst ausgetauscht sind. Das sagen sogar die Initiatoren der Bürgerinitiative gegen die Umbenennung.

Trotzdem lieferten sie gleich mit dem ersten Pressetermin gruselige Sätze wie „Hindenburg ist der größte deutsche Nationalheld nach Bismarck“, was deren Seriosität infrage stellt. Die bürgerliche Mitte – sei sie in Münster vielleicht ein wenig konservativer als anderswo – wird diese Deutschtümelei nicht mittragen. Sie kann ihr Weltbild in dieser rechten Initiative nicht erkennen.

Zwar sind konservative Kreise entsetzt darüber, dass ausgerechnet ein CDU-Oberbürgermeister der Motor für die Umbenennung ist. Die Parteifreunde allerdings werden sich nicht die Finger an einem Bürgerbegehren verbrennen – zumal eine Kampagne gegen den eigenen OB äußerst parteischädigend wäre. Gleich zweimal hatte sich im repräsentativen Münster-Barometer eine satte Mehrheit für eine Beibehaltung des Hindenburgplatzes ausgesprochen.

Münster hätte folglich die hoch emotionale Namensdebatte bequem unter dem Staub der Geschichte liegen lassen können. Daran ändert auch die von der Stadt in Auftrag gegebene Bürgerumfrage nichts, wonach 48,3 Prozent keinen Anlass mehr sahen, Hindenburg zu ehren. Wenn aber die Umbenennung so aktiv und öffentlichkeitswirksam vorangebracht wird, gibt es nach der breit aufgestellten Ratsentscheidung keinen Weg mehr zurück.

Wer sich jetzt der Bürgerinitiative anschließt, spricht sich nicht bloß für einen Namen, sondern für Hindenburg selbst aus. Daher wird ein Bürgerbegehren pro Hindenburg(platz) angesichts der unappetitlichen Verbindung des greisen Reichspräsidenten zu Hitler bundesweit verheerende Reaktionen auslösen. Münster droht ein nachhaltiger Imageschaden.

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