Hindenburgplatz: Heute wird abgestimmt
Stunde der Entscheidung

Münster -

Die Stunde der Entscheidung rückt näher: Seit 17.45 Uhr sitzt der Rat zusammen, um unter anderem über die Umbenennung des Hindenburgplatzes in Schlossplatz abzustimmen.

Mittwoch, 21.03.2012, 15:03 Uhr

Hindenburgplatz: Heute wird abgestimmt : Stunde der Entscheidung
Kommt heute alles so, wie es sich abzeichnet, dann wird der Hindenburgplatz nach 85 Jahren seinen Namen verlieren und künftig Schlossplatz heißen. Foto: Oliver Werner

Monatelang wurde gestritten – nicht immer sachlich, aber immer mit großer Leidenschaft. Nun ist die Stunde der Entscheidung gekommen: Heute Abend um 17.45 Uhr wird der Rat der Stadt Münster über eine Umbenennung des Hindenburgplatzes in Schlossplatz abstimmen.

Als klare Befürworter einer Umbenennung haben sich bereits SPD, Grüne, Linke, UWG, ÖDP und Piraten zu erkennen gegeben. Nach bisher vorliegenden Informationen wollen auch mindestens acht CDU-Ratsmitglieder und fünf FDP-Mitglieder für die Umbenennung stimmen. Einschließlich der Stimme des Oberbürgermeister Markus Lewe wären der Schlossplatz-Fraktion damit 56 der 81 Stimmen sicher.

Mit seinem absehbaren Votum wird der Rat eine Entscheidung fällen, die ein Großteil der Münsteraner ablehnt. Beim aktuellen „Münster-Barometer“ unserer Zeitung haben sich fast 60 Prozent der Befragten gegen eine Umbenennung ausgesprochen. Erstaunlich: Vor allem die 18- bis 29-Jährigen sind gegen einen neuen Namen. In einer Bürgerbefragung der Stadt waren zwar 48,3 Prozent der Absicht, dass es heute keinen Anlass mehr gibt, Hindenburg mit einem Platz zu ehren. Diese Umfrage sah sich allerdings heftiger Kritik ausgesetzt. Einer der Vorwürfe: Die Fragestellung sei suggestiv gewesen, hatte also eine wünschenswerte Antwort vorgegeben.

Glasklar war die Angelegenheit von Anfang an für Oberbürgermeister Markus Lewe. Leidenschaftlich machte sich der CDU-Politiker für eine Umbenennung stark – und erntete dafür in den eigenen Reihen einiges Kopfschütteln. Die vom Ältestenrat eingesetzte Expertenkommission „Straßennamen“, der renommierte Professoren wie Alfons Kenkmann und Hans-Ulrich Thamer angehörten, gelangte hingegen zur Einschätzung, dass der Name Hindenburgplatz nicht mehr zu halten sei – war doch der frühere Reichspräsident der „Steigbügelhalter Hitlers“ und damit der Totengräber der Weimarer Demokratie.

Die finanziellen Folgen einer Umbenennung halten sich nach Angaben der Stadt in Grenzen. 2000 Euro werde es kosten, neue Straßenschilder sowie Hinweisschilder, die auf den alten Namen hinweisen, anzufertigen. Die Eigentümer der betroffenen Grundstücke erhalten einen Bescheid über die neue Adresse.

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