Klagewelle bei Humanitas
Ehemalige Mitarbeiter ziehen gegen Pflegedienst vor Gericht: Streit um Gehaltszahlungen

Münster -

Wieder zieht eine ehemalige Mitarbeiterin des Pflegedienstes Humanitas Münster vor das Arbeitsgericht. Wieder werden ausstehende Gehälter eingefordert und Pflegemissstände angeprangert – über ähnlich gelagerte Fälle dreier Ex-Mitarbeiter berichteten die WN vor einem halben Jahr.

Freitag, 09.03.2012, 14:03 Uhr

Klagewelle bei Humanitas : Ehemalige Mitarbeiter ziehen gegen Pflegedienst vor Gericht: Streit um Gehaltszahlungen
Die Pflege von alten oder kranken Menschen fordert Einfühlungsvermögen und Sorgfalt: Ehemalige Mitarbeiter des Pflegedienstes Humanitas Münster ziehen gegen ihren früheren Arbeitgeber vor Gericht. Foto: AP

„Als ich Abrechnungen kritisierte, durfte ich von heute auf morgen nicht mehr zur Arbeit kommen“, berichtet jetzt Ortrud Erdelhoff. „50 geleistete Arbeitsstunden im Dezember 2011 wurden nicht bezahlt, für zehn Arbeitstage in diesem Januar nur 25 Euro überwiesen“, klagt die alleinerziehende Mutter eines 13-jährigen Sohnes. „Ich musste mir bei Freunden Geld leihen, um die Miete zu bezahlen und über die Runden zu kommen.“

Dabei war sie davon ausgegangen, bei der Humanitas GmbH mit Hauptsitz in Essen, die in Anzeigen mit einem hohen Stundenlohn werbe, gut zu verdienen. Weit gefehlt, wie sich herausgestellt habe. „Da die Fahrten zu den Patienten nicht vergütet wurden, landete ich bei einem Stundensatz von fünf Euro“, beklagt die ausgebildete Arzthelferin.

Unter den eng gesteckten Tourenplänen habe die Qualität der Patientenversorgung gelitten. Erdelhoff: „Ich hatte die Anweisung, Medikamente, für Patienten, die die Tür nicht öffneten, in Mehrfamilienhäusern vor die Wohnungstür zu legen.“

Die Pflegedokumentation sei mitunter manipuliert worden, beklagt eine andere Ex-Mitarbeiterin, die ebenfalls wegen ausstehender Gehaltszahlungen vor dem Arbeitsgericht klagte. Altenpflegehelfer hätten beispielsweise Insulin gespritzt. Arbeiten, die normalerweise nur von examinierten Pflegekräften vorgenommen werden dürften.

Zu den Vorwürfen wollte sich der Geschäftsführer der Humanitas GmbH in Essen nicht äußern – nicht zu verwechseln mit der „Humanitas Münsterland“ in Coesfeld, die mit dem kritisierten Unternehmen nur einen Namensteil gemein, aber ansonsten nichts zu tun hat.

Inzwischen haben mehrere der Klagenden ausstehende Gehaltszahlungen von der Humanitas GmbH erhalten. „Eineinhalb Wochen vor dem Prozesstermin war das Geld plötzlich auf meinem Konto“, erzählt Ex-Mitarbeiterin Christine Pohl . Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung Westfalen-Lippe (MDK) hatte nach eingegangenen Beschwerden und im Anschluss an die Berichterstattung der WN im August 2011 eine erneute Prüfung des Pflegedienstes durchgeführt.

Dessen Ergebnis tauchte erst ein halbes Jahr später im Transparenzbericht im Internet auf, den der Gesetzgeber seit 2009 vorschreibt. Verzögerungen wie diese „kommen meist bei Widersprüchen der Pflegedienste zustande“, erklärt Dr. Barbara Gansweid, Referatsleiterin beim MDK. Der Pflegedienst Humanitas Münster schnitt in der Gesamtbewertung 2011 schlechter ab als 2010.

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