Kommentar
Ergebnis macht nachdenklich

Für die Befürworter einer Hindenburgplatz-Umbenennung gibt es keinen Grund, sich nach der Auswertung der Straßennamen-Bürgerumfrage zurückzulehnen und entspannt der für den 21. März geplanten Abstimmung entgegenzusehen. Dass sich 35 Prozent der Befragten indirekt gegen eine Umbenennung aussprechen, ist angesichts der umfassenden Info-Kampagne der letzten Monate ein Ergebnis, das niemand ignorieren kann – zumal in der Umfrage ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass Hindenburg von der Forschung als „Stütze des NS-Regimes“ entlarvt worden ist.

Sonntag, 04.03.2012, 15:03 Uhr

Kommentar : Ergebnis macht nachdenklich
Straßenschild Hindenburgplatz Foto: Matthias Ahlke

Sind nun jene 35 Prozent Unverbesserliche, Relativierer, ja, womöglich Anhänger ewiggestrigen Gedankenguts? Wohl kaum – und erst recht nicht in einer Stadt wie Münster . Was hat aber dann diese Menschen bewogen, sich bei einer Frage, deren Formulierung eigentlich nur eine Antwort zuließ, genau gegenteilig zu verhalten? Ein Grund mag Protest gegen den bisherigen Verlauf des Verfahrens sein. So wurde immer wieder Kritik laut, dass die Fragen von der Verwaltung suggestiv formuliert wurden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich ein Teil der Umfrage-Teilnehmer aus genau diesem Grund ganz bewusst für eine politisch unkorrekte Antwort entschieden hat.

Bleibt zu fragen, warum überhaupt Münsteraner Hindenburg die Stange halten – obwohl, siehe oben, der Reichspräsident eine „NS-Stütze“ war. Die lieb gewonnene Gewohnheit, an einem bewährten Namen festzuhalten, scheint dabei ebenso eine Rolle zu spielen wie die Einschätzung, dass sich eine Kommune in Krisenzeiten doch bitte um andere, aus deren Sicht wichtigere Themen kümmern sollte.

Fest steht: 48,3 Prozent für eine Umbenennung sind kein Erdrutschsieg, sie sind nicht einmal eine überzeugende Mehrheit – sie sind eine Mehrheit, nicht mehr und nicht weniger. Dass ihr auf der anderen Seite 35 Prozent gegenüberstehen, sollte Verwaltung und Politik zu denken geben.

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