Nazi-Aufmarsch
Bundestagsabgeordnete bei Demo festgenommen: Linke fordert Prüfung

Münster - Nach dem Neonazi-Aufmarsch in Münster und den Gegendemonstrationen mehrerer tausend Menschen am Samstag sorgt das Vorgehen der Polizei bei den Protesten für Diskussionen. Ein 21-Jähriger aus dem linken Spektrum, der sich bei einem Polizeieinsatz schwer verletzt hatte, liege weiter im Krankenhaus, bestätigte ein Polizeisprecher am Montag in Münster. Er hatte eine Flasche in Richtung der Beamten geworfen und sich dann massiv gegen seine Festnahme gewehrt. „Es ist Zwang angewendet worden, um den Mann auf dem Boden zu fixieren. Dabei hat er sich im Gesicht verletzt“, sagte der Sprecher.

Dienstag, 06.03.2012, 07:03 Uhr

Derweil fordert die Linke in NRW nach der Festnahme der Bundestagsabgeordneten Ingrid Remmers (Linke) bei den Protesten Konsequenzen. „Wir erwarten einen Bericht des Innenministers“, sagte der Landessprecher der Linken NRW, Hubertus Zdebel .Die Abgeordnete hatte nach Angaben der Partei als parlamentarische Beobachterin an einer der Demos teilgenommen. Dabei sei sie trotz ihrer Immunität wegen Widerstands gegen Polizeibeamte festgenommen worden. „Sie konnte sich vor Ort nicht als Bundestagsabgeordnete ausweisen“, sagte ein Polizeisprecher. Auf der Wache habe sie sich nackt ausziehen müssen und sei zweieinhalb Stunden lang verhört worden, beschwert sich Remmers auf ihrer Internetseite. Nach Angaben der Polizei dagegen hat Remmers am Samstagvormittag insgesamt nur eine Stunde auf dem Polizeipräsidium verbracht. „Der Vorfall wird intensiv untersucht“, sagte ein Sprecher des NRW-Innenministeriums in Düsseldorf. „Wir lassen uns aus Münster berichten.“Die Polizei sei bei den Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten mit „unverhältnismäßiger, übertriebener Härte“ vorgegangen, sagte Linke-Landessprecher Zdebel weiter. Am Donnerstag wolle die Linke das Thema im Innenausschuss des Landtags diskutieren. „Wir werden das Verhalten der Polizei deutlich zur Sprache bringen.“Der Kreisverband der Grünen in Münster übte ebenfalls Kritik am Vorgehen der Polizei. „Auch viele friedliche Demonstranten fühlten sich eingeschüchtert“, erklärte Kreisvorstand Gunnar Risse.In Münster hatten nach Polizeiangaben an verschiedenen Orten in der Innenstadt insgesamt rund 5000 Menschen gegen einen Aufmarsch von 300 Neonazis protestiert. Es hatte zwei Dutzend Festnahmen und 62 Platzverweise gegeben. 32 Menschen waren nach Polizeiangaben in Gewahrsam genommen worden. Sechs Menschen wurden bei den Protesten verletzt, darunter vier Polizisten und zwei Demonstranten.Über den Zustand des schwer verletzten 21-Jährigen wurde am Montag nichts bekannt. Er sei bereits mehrfach wegen gewalttätiger Aktionen in Erscheinung getreten und habe bei seiner Festnahme augenscheinlich unter dem Einfluss von Alkohol gestanden, sagte der Polizeisprecher in Münster. Sowohl für den Mann als auch für die Beamten, die ihn festgenommen haben, könnte der Vorfall juristische Folgen haben. Es seien Strafanzeigen gestellt worden, sagte der Polizeisprecher. Auch gegen zwei Neonazis wurde Anzeige erstattet. Sie hatten bei dem Aufmarsch eine Sprühdose mit Reizstoffen und Feuerwerkstechnik dabei.

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