Prozess in Münster
Emsdettener erwürgt schwangere Ehefrau - Zwölf Jahre Haft

Emsdetten/Münster - Drastisch schilderte die Staats­anwältin die Tat in ihrem Plädoyer. Wie der 37-jährige Mann aus Emsdetten seine hochschwangere Ehefrau erwürgte und dabei immer ihren Baby-Bauch vor Augen gehabt haben muss. „Der Todeskampf dauerte Minuten, das erforderte viel Kraft, die Frau kämpfte um ihr Leben – aber es kam ihm darauf an, sie zu töten.“

Dienstag, 13.03.2012, 10:03 Uhr

Prozess in Münster : Emsdettener erwürgt schwangere Ehefrau - Zwölf Jahre Haft
Ein Mann aus Emsdetten sagte aus, seine schwangere Ehefrau zu erwürgt haben. Foto: Jürgen Peperhowe

Wegen Totschlags und Schwangerschaftsabbruchs – die Geburt des Kindes mit seinen 49 Zentimetern und 3600 Gramm stand kurz bevor – wurde der Angeklagte am Dienstag vor dem Landgericht Münster zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Die Kammer folgte nicht der entlastenden Darstellung der Verteidigung, die Ehefrau habe ih­rem Mann das Leben zur Hölle gemacht. Vielmehr schenkte sie Zeugen wie Polizeibeamten, Ärzten, Nachbarn und Kolleginnen des Opfers Glauben, die von jahrelangen Misshandlungen der jungen Mutter durch ihren Ehemann gesprochen hatten.

Auch im Frauenhaus war die gebürtige Türkin mehrfach gewesen. Im August dann war ihr Ehemann auf einem Polizeirevier erschienen und hatte die Tat gestanden. Tatsächlich wurde die im achten Monat Schwangere tot in der gemeinsamen Wohnung gefunden. Sie habe ihn im Streit zuerst gewürgt, gab der Mann an. Dagegen sprachen jedoch seine geringen Halsverletzungen.

Beide, Mutter und Fötus, waren durch Ersticken gestorben. Zwar wäre der Junge nach dem Tod der Mutter noch bis zu fünfzehn Minuten lebensfähig gewesen, „doch der Angeklagte hat sich nicht die Mühe gemacht, einen Krankenwagen zu rufen,“ so die Staatsanwältin. Einem Gutachter ge­genüber hatte der Mann seine Frau verunglimpft. Sie sei aggressiv gewesen, habe Schimpfwörter benutzt und als Prostituierte gearbeitet. „Das stimmt so nicht“, wandten die Anwälte der Nebenklage ein und beantragten, Angehörige des Opfers aus der Türkei zu befragen.

Dessen bedurfte die Kammer nicht. Die Behauptung des 37-Jährigen, es habe sich um einen Unfall gehandelt, sei unglaubwürdig, befand Richterin Dagmar Wohlthat in ihrer Urteilsbegründung. „Es bleibt zu hoffen, dass die kleine Tochter des Paares die Tat nicht hat mit ansehen müssen.“

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