„Die finde ich genial“
Musik-Professor sagt russischen Großmütterchen-Erfolg voraus

Münster -

Peter von Wienhardt ist Pianist und Komponist – aber der Professor an der Musikhochschule Münster hat auch ein gutes Gespür für die Chancen der Kandidaten beim European Song-Contest.

Freitag, 25.05.2012, 10:05 Uhr

„Die finde ich genial“ : Musik-Professor sagt russischen Großmütterchen-Erfolg voraus
Die russischen „Buranowskije Babuschki“ haben das Zeug zum Überraschungserfolg, meint der Experte. Foto: dpa

Wenn es um den Eurovision Song Contest geht, wohnen zwei Seelen in Peter von Wienhardts Musikerbrust . Seele Nummer eins: „Das ist Trash! Die russischen Großmütter finde ich genial. Die haben als einzige den Sinn wirklich begriffen.“ Seele Nummer zwei: „Ich möchte die nicht auf Platz eins sehen . . .“

Widersprüchlich? Nicht unbedingt. Peter von Wienhardt, Pianist, Komponist und Professor an der münsterischen Musikhochschule , verfolgt den ESC aus doppeltem Interesse. Er sieht das Ereignis, die Show, den Hype. Und er hört die Musik. Lässt dabei aber keinen Zweifel daran, dass das eine wichtiger ist als das andere: „Ich finde dieses krampfhafte Bemühen um musikalische Qualität sinnlos.“

Dass er dabei den richtigen Riecher hat, bewies er vor zwei Jahren, als er Lenas Erfolg ziemlich präzise vorhersagte. Und vor einem Jahr, als ihm genauso klar war, dass sie ihren Triumph nicht wiederholen würde. Nun beschäftigt er sich aufmerksam mit Roman Lob – und ahnt, dass die bunten Großmütterchen dem deutschen Barden die Schau stehlen könnten: „Die sind – leider – fast mein Geheimtipp. Wer ein bisschen Humor hat, ruft für die an . . .“

Dabei ist er über Lob sogar des Lobes voll: „Ein gut geschriebener Song. Und seine Stimme passt gut. Roman Lob will Musik machen, er ist nicht nur eine Rampensau.“ Platz sieben bis zehn traut er ihm zu.

Aber wo ist eigentlich der Unterschied etwa zum spanischen Beitrag oder zum Siegertitel des Vorjahres? „Darauf kommt es nicht an. Viele Lieder sind austauschbar.“ Die Komponisten kämen gar nicht drumherum, ähnlich zu arbeiten, wenn sie international erfolgreich sein wollen. Der Beitrag Moldawiens mit der Trompete beispielsweise sei unverwechselbar – „das hat wirklich was mit Moldawien zu tun“ – aber unterm Strich? „Keine Chance.“

Des Professors weitere Favoriten? „Die Beiträge von Griechenland, Rumänien, Zypern: Hübsche Mädchen singen leichte Sommerliedchen . . .“ Und dass die Briten ihren 76-jährigen Veteranen Engelbert an den Start schicken, imponiert ihm: „Der kann singen!“

An seinen russischen Altersgenossinnen dürfte Engelbert aber kaum vorbeikommen, schon weil deren Auftritt so authentisch sei: „Wenn Sie sich die bunten Farben wegdenken, haben Sie Russland . . .“

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