Interview mit Leonard Lansink
Ohne Kaffee geht bei Wilsberg nichts

Münster -

Im WN-Interview verrät Schauspieler Leonard Lansink, wie gut er kochen kann – und wo er seine Frau kennen gelernt hat.

Sonntag, 27.05.2012, 11:05 Uhr

Interview mit Leonard Lansink : Ohne Kaffee geht bei Wilsberg nichts
Steht seit 14 Jahren als Privatdetektiv Wilsberg vor der Kamera: Leonard Lansink. Der 56-Jährige ist übrigens ein waschechter Westfale: Er erblickte in Hamm das Licht der Welt. Foto: Matthias Ahlke

Wenn „ Wilsberg “ im ZDF läuft, sitzen bis zu acht Millionen Zuschauer vor den Bildschirmen. Nicht nur die Krimireihe, auch Hauptdarsteller Leonard Lansink hat unter den Fans längst Kult-Status erreicht. In dieser Woche war der 56-jährige Schauspieler wieder mit seiner Crew für Dreharbeiten in der Stadt. Die Interview-Anfrage unserer Zeitung beantwortet Lansink prompt, Treffpunkt: Freitagmittag im Marktcafé.

Leonard Lansink erscheint mit seiner Frau Maren zum Interview. Weißes Hemd, schwarzes Sakko – Lansink sieht genau so aus wie im Fernsehen. Vor ihm steht eine Tasse Kaffee, daneben liegt eine halb leere Packung Zigaretten . Lansink holt das Feuerzeug aus einer Sakko-Tasche, zündet sich eine weitere Zigarette an.

Herr Lansink, ich wusste gar nicht, dass Sie 1987 in der Teenie-Filmreihe „Eis am Stil“ mitgespielt haben.

Lansink: Damals waren das Superfilme, und auch die Musik war großartig. Um ehrlich zu sein: Ich war zu jener Zeit nicht so gut beschäftigt. Für die Dreharbeiten habe ich 3000 Dollar erhalten, dafür durfte ich 14 Tage in Tel Aviv sein.

Wie sah Ihre Rolle aus?

Lansink: Ich hieß Schnitzler junior, war der Spross reicher Eltern. Im Keller eines Hotels war ich an einen Heizungskessel gefesselt, und die anderen Jungs versuchten, an meine Hotelzimmer-Schlüssel zu kommen. Zum Schluss wurde ich angezogen in einen Pool geworfen.

„Wilsberg“ in einer Teenie-Klamotte – kaum vorstellbar. Lansink drückt seine Zigarette aus, bestellt einen weiteren Kaffee und zündet sich direkt die nächste Zigarette an. Ob er Lust auf ein paar private Fragen hat?

Ihre Frau stammt aus Münster . Wo haben Sie sich kennengelernt?

Lansink: Auf dem 90. Stiftungskommers des TuS Ravensberg. Ich war der Festredner, und Maren war mit einer Bekannten da.

Mittlerweile wohnen Sie in Berlin.

Lansink: Wir haben eine Mietwohnung in Berlin-Schöneberg.

Ihre Frau hat für den Umzug den Job in Münster aufgegeben.

Lansink: Sie arbeitet jetzt in Berlin im Filmgeschäft.

Kann Ihre Frau gut kochen?

Lansink: Kartoffel- und Kürbissuppe. Sie hat wohl in einer WG gelebt, in der es nur zwei Herdplatten gab. Da bot sich Eintopf an.

Und wie sieht es mit Ihren Kochkünsten aus?

Lansink: Ich kann gut kochen. Am liebsten schnelle Gerichte. Witzigmanns Fleischpflanzerl zum Beispiel. Oder Steak im Kräutermantel. Sehr lecker.

Maren Lansink muss weiter. Mit einem Kuss verabschiedet sie sich von ihrem Mann. Die Leute an den Nachbartischen schauen kurz herüber. Lansink steckt sich die nächste Zigarette an.

Wo wohnen Sie, wenn in Münster Dreharbeiten sind?

Lansink: Im Factory-Hotel am Germania-Campus. Ich mag schlichte, klar strukturierte Hotels.

Passiert es, dass Sie von Hotelgästen angesprochen werden?

Lansink: Ich bin oft in der Raucherecke, da sind nicht so viele Menschen.

Auf wie viele Zigaretten kommen Sie eigentlich?

Lansink: Eine gute Schachtel am Tag.

In diesem Moment fegt eine Windböe über den Tisch. Sie erfasst die leere Zigaretten-Packung. Zeit, über Wilsberg zu reden.

Sie spielen Wilsberg seit 14 Jahren. Keine Angst, auf eine Rolle festgelegt zu werden?

Lansink: Das ist mir wurscht. Ich sehe es eher als Privileg, dass sich die Reihe schon so lange hält. Eine PR-Frau hat mal gesagt: Um aus einer Schublade rauszukommen, musst du erst mal in einer drin sein. Da stehe ich hundertprozentig hinter. 99 Prozent der Kollegen können nicht von ihrem Job leben. Bei mir fühlt es sich an, als wäre ich permanent in der ersten Bundesliga.

Können Sie sich weitere 14 Jahre als Wilsberg vorstellen?

Lansink: Natürlich. Ich möchte den Wilsberg spielen, so lange ich denken und reden kann – und so lange sich die Geschichten tragen.

Wie oft ihm diese Frage wohl schon gestellt worden ist? Lansink wirkt ein wenig gelangweilt, schaut sich die Passanten an. Zeit für weitere private Fragen.

Warum sind Sie bei Ihren Großeltern aufgewachsen?

Lansink: Meine Mutter hatte keine Lust auf Kinder und ließ mich nach der Geburt im Krankenhaus liegen.

Sind Sie mit Ihren Großeltern gut zurecht gekommen?

Lansink: Wir kamen gut klar. Ich war ein geliebtes Kind. Mein Opa war Fußballfan, ich bin Handballfan – auch das war kein Problem.

Heute sind Sie Mitglied des SC Preußen Münster.

Lansink: Ich würde es Münster gönnen, dass der Verein in einer höheren Klasse spielt.

Verfolgen Sie, wie er gespielt hat?

Lansink: Nicht jede Woche.

Ihr EM-Tipp?

Lansink: Deutschland hat gute Chancen.

Lansink scheint ein Kaffee-Junkie zu sein. Innerhalb von 45 Minuten hat er vier Tassen bestellt. Er brauche das, um wach zu werden, entschuldigt er sich. Ein Interview um 12 Uhr, das sei doch ziemlich früh. Dreharbeiten zwischen 12 und 15 Uhr, die übrige Zeit frei – das sei für ihn der ideale Tag. Sein Lächeln verrät: Er meint das ernst. Die Interview-Zeit ist fast herum. Zum Finale gibt es eine Schnellfragerunde.

Ihre Lieblings-Tatort-Kommissare?

Lansink: Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt.

Lust, zum Tatort zu wechseln?

Lansink: Darüber nachdenken würde ich sicherlich.

Wie schlagen Sie die Wartezeit bei Dreharbeiten tot?

Lansink: Ich habe mir ein iPad zugelegt und lese Nachrichtenseiten. Auch die WN.

Warum haben Sie Ihr Medizinstudium abgebrochen?

Lansink: Mir war nach drei Jahren die Motivation abhanden gekommen.

Ist irgend etwas hängen geblieben?

Lansink: Ich bin gut in Erster Hilfe.

Wen wünscht sich das SPD-Mitglied Lansink als Kanzlerkandidaten?

Lansink: Sigmar Gabriel finde ich prima.

Ihr Münster-Highlight?

Lansink: Der Frühschoppen bei Stuhlmacher.

Lansink winkt einer Bekannten zu. Die beiden begrüßen sich mit Wangenkuss, die Bekannte setzt sich mit an den Tisch. Sie wolle Leonard etwas erzählen, von dem sie glaube, dass er sich darüber freut. Zeit für die letzte Frage.

Wie wird Wilsberg abtreten?

Lansink: Er wird von innen sein Antiquariat abschließen und nur noch mit seinen Büchern leben.

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