Protest gegen die vielen neuen Häuser in der Nachbarschaft
Fremd im eigenen Viertel

Münster -

Anwohner des Viertels rund um den Brunnenplatz nahe des Kappenberger Damms wollen die Nachverdichtung in ihrem Quartier stoppen

Donnerstag, 31.05.2012, 09:05 Uhr

Protest gegen die vielen neuen Häuser in der Nachbarschaft : Fremd im eigenen Viertel
Alte Siedlungshäuser werden abgerissen, auf den großen Grundstücken entstehen gleich mehrere Neubauten. Anwohner rund um den Brunnenplatz wollen diesen Trend jetzt stoppen. Foto: Oliver Werner

Das Wort „Erbengemeinschaft“ hört Annette Averesch gar nicht gern. Denn Erbegemeinschaften haben in der Wohnsiedlung rund um den Brunnenplatz in Münsters Süden eine Entwicklung eingeleitet, die viele der angestammten Bewohner „kritisch sehen“.

Das Strickmuster ist immer das gleiche: Die Alteigentümer, die meist ein mittelgroßes Siedlerhaus auf einem über 1000 Quadratmeter großen Grundstück bewohnen, sterben. Die Kinder, die irgendwo anders wohnen, verkaufen die Immobilie an einen Bauträger, der das alte Haus abreißt und es durch einen Neubau mit Eigentumswohnungen oder Reihenhäusern ersetzt.

Die Folge: „Der Charakter unserer Siedlung ändert sich dramatisch.“ Nachverdichtung heißt das Stichwort, das Averesch und viele Nachbarn in dem Quartier östlich des Kappenberger Damms auf die Palme bringt: wegfallende Gärten, stattdessen mehr parkende Autos.

Zahlreiche Anwohner haben jetzt eine Bürgerinitiative gegründet und die Grünen als Verbündete gewonnen. Zumindest will die GAL-Ratsfrau Helga Bennink in der heutigen Sitzung des Planungsausschusses einen Antrag vorstellen, der die Aufstellung eines Bebauungsplanes zum Ziel hat. „Wir möchten eine geregelte Bebauung“, was für Bennink konkret heißt: Neubauten in den großen Gärten sollen erlaubt sein, „aber nicht in dem Ausmaß, wie es derzeit geschieht“.

Für Christian Schowe , Leiter des Stadtplanungsamtes, ist es das gute Recht von Bürgern und Kommunalpolitikern, anzuregen, für Wohnquartiere einen Bebauungsplan aufzustellen. Noch im vergangenen Jahr habe der Planungsausschuss ein solches Vorgehen für den Bereich Brunnenplatz indes als nicht erforderlich betrachtet. Der Wandel im dem Quartier ist laut Schowe „symptomatisch“ für Prozesse, die derzeit an vielen Stellen im Stadtgebiet zu beobachten seien – und die man baurechtlich nur zum Teil zu steuern könne. Der Bereich Brunnenplatz – gelegen im Stadtbezirk Mitte – habe eine sehr gute, aber eben „keine dörfliche Lage“ und sei deshalb attraktiv als Zuzugsgebiet, so Schowe.

Thomas Fastermann ( SPD ), Vorsitzender des Planungsausschusses, steht einem möglichen Bebauungsplan offen gegenüber. Dieses Instrument sei im Grundsatz gut geeignet, „einen Interessenausgleich innerhalb der Anwohnerschaft“ herzustellen.

Interessenausgleich heißt aber nicht automatisch Restriktionen. Im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens, so Schowe, würden auch verkaufswillige Grundstückseigentümer erfahren, „welche Rechte sie haben“.

Will sagen: Wenn Teile der Anwohnerschaft zu der Überzeugung kommen, dass ein Bebauungsplan den Verkaufswert ihrer Grundstücke schmälert, könnte es rund um den Brunnenplatz richtig rund gehen.  

| Kommentar

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/805099?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F597155%2F738953%2F
Mehrere Tote in Enschede entdeckt
Polizei ermittelt nach Leichenfund: Mehrere Tote in Enschede entdeckt
Nachrichten-Ticker