Warum die Preußen-Debatte wieder einmal so eskalierte
Ein Fall für den Psychologen

Die Stadt Münster verfügt über drei große, publikumswirksame Einrichtungen mit regionaler Bedeutung: die Halle Münsterland, das Stadttheater und das Preußen-Station. Die Halle ist in einem baulich tadellosen Zustand, das Theater in einem guten, das Stadion ist eine Bruchbude (mit Ausnahme der Haupttribüne). Angesichts dieser Schieflage ist die monatelange, am vergangenen Mittwoch beendete Debatte über die Stadionsanierung beschämend.

Samstag, 12.05.2012, 17:05 Uhr

Warum die Preußen-Debatte wieder einmal so eskalierte : Ein Fall für den Psychologen
D Foto: Oliver Werner

Auch die mit juristischen Feinheiten gespickte Kritik der Grünen an den geplanten Vorinstallationen für eine Rasenheizung geht an der Realität vorbei. Wer die im Sommer anstehende Sanierung des Rasens nicht mit diesen Investitionen kombinieren möchte, der muss für die nächsten Jahre hoffen, dass den Preußen ein Aufstieg in die zweite Bundesliga verwehrt bleibt. Denn dann wäre die Heizung Pflicht.

Eine Stadtgesellschaft, die „ihrem“ Fußballclub den sportlichen Erfolg missgönnt, ist – mit Verlaub – krank. Wer dem Phänomen auf die Spur kommen möchte, warum ausgerechnet beim Thema Preußen immer die politischen Emotionen hochkochen, der muss in die Geschichte blicken. Seit den 90er Jahren, als kontrovers über das später vor Gericht gescheiterte Projekt Preußen-Park diskutiert wurde, sind sich Preußen-Fans und GAL-Anhänger nicht grün. Geradezu chronisch wird dieses Problem durch einen schwelenden Personalkonflikt. Jahrelang lieferten sich Stadtdirektor Hartwig Schultheiß ( CDU ) und Stadtbaurat Gerhard Joksch (Grüne) einen Wettstreit im Rathaus, wer der bessere Bauexperte sei. Schultheiß entschied das Rennen für sich, weil die damalige schwarz-gelbe Ratsmehrheit im Jahr 2006 den Arbeitsvertrag von Joksch nicht verlängerte.

Als Ratsmitglied der Grünen ist Joksch inzwischen ins Rathaus zurückgekehrt und pflegt – gemeinsam mit seinen Parteifreunden Helga Bennink und Hery Klas – seinen Groll gegen Schultheiß. Genau dieser Groll überlagerte jetzt die Preußen-Debatte. Recht forsch legte Schultheiß – frei nach dem Motto: „Ich rette die Preußen – ein reichlich unausgegorenes Stadion-Konzept vor. Joksch und Co. nahmen es auseinander und beherzigten dabei die Devise: „Wenn wir Schultheiß treffen wollen, müssen wir auf die Preußen einprügeln.“ So banal, aber auch so brutal kann Politik sein. Sollte es irgendwo in dieser Stadt einen konflikterfahrenen Psychologen geben, der es sich zutraut, die Protagonisten erfolgreich auf die Couch zu legen, er hätte ein sattes Honorar verdient. Dieses Geld wäre fast genauso gut angelegt wie die 900 000 Euro, die jetzt in die Stadionsanierung fließen. Klaus Baumeister

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/736141?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F597155%2F738953%2F
Punkteteilung gegen Uerdingen: Preußen bleiben im eigenen Rund ungeschlagen
Fußball: 3. Liga: Punkteteilung gegen Uerdingen: Preußen bleiben im eigenen Rund ungeschlagen
Nachrichten-Ticker