Beim Training in Münster ist jeder willkommen
Parkour: Auf leisen Sohlen durch die Stadt

Münster -

Von einer etwa zwei Meter entfernt stehenden Bank springt Moritz Roux (18) ab. Hoch fliegt er in seiner weiten Jogginghose durch die Luft, greift mit beiden Händen an den Sockel der goldenen Statue und hängt sich mit langen Armen daran. Für den ganzen Bewegungsablauf gibt es nur ein Wort: Eleganz. Moritz Roux trainiert die Trendsportart Parkour. Heute übt er nicht für sich alleine, sondern ist bei einem Einsteiger-Workshop dabei.

Montag, 18.06.2012, 15:06 Uhr

Hier unterstützt er Fabian Schubert . Schubert ist im echten Leben Jurist, in seiner Freizeit organisiert er die freien Kurse an jedem ersten Samstag im Monat im Hinterhof der alten Feuerwache an der Bernhard-Ernst-Straße in Münster . Die Treffen sind kostenlos. Wer teilnehmen möchte, kann einfach vorbeikommen. Minderjährige müssen eine Einverständniserklärung der Eltern mitbringen.

Einer, der das erste Mal dabei ist, ist Coraghessan (13), ebenso sein Kumpel Yannic und Marvin (24) aus Dülmen. In Sportschuhen sitzen sie auf den Steinstufen im Hinterhof und warten auf das, was kommt. „Was wisst ihr von Pakour?”, fragt Fabian.

Parkour in Münster

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  • Gleich geht es los.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Beim Aufwärmen

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Beim Aufwärmen

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Beim Aufwärmen

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Beim Aufwärmen

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Beim Aufwärmen

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Beim Aufwärmen

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Beim Aufwärmen

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Beim Aufwärmen

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Fabian beim Aufwärmen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Bevor es an die Treppenstufen geht, üben die Sportler das Springen auf Linien.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Fabian beim Aufwärmen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Auch die Anfänger versuchen ihr Glück, und bekommen es schnell gut hin.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Immer wieder springen die Traceure auf die Stufen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Elegant und schnell auf Bordsteinkanten und Treppenstufen springen, ist gar nicht so einfach, wie es aussieht.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Fabian stützt sich mit seinem ganzen Körpergewicht auf die Hände.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Pause

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Pause

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Fabian vor die Füße zu springen, kostet Überwindung.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Immer wieder die Balance halten.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Handstand am Hafen in Münster.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Daniel spielt mit seinem Handy.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Balance halten zu können, ist eine der wichtigsten Grundlagen im Parkour.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Auf dem Bauch über Schienen.

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  • Akrobatik am Hafen in Münster.

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  • Marvin ist auch zum ersten Mal dabei.

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  • Durchatmen während der Pausen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Yannic meistert sein erstes Parkour-Training.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Moritz Roux sprint von einer Wand zu nächsten.

    Foto: Wilfried Gerharz

„Dass man sich den effektivsten und schnellsten Weg durch seine Umgebung sucht”, sagt Yannic. So ist es. Um Parkour ranken sich viele Geschichten. Da ist die Tradition der Méthode Naturelle. Ausgedacht haben soll sich diese ein Offizier der französischen Armee . Er war einst auf der Insel Martinique stationiert. Als dort ein Vulkan ausbrach, evakuierte er – so die Legende – 70 000 Menschen über die fließende Lava. Sie mussten springen, ihre eigenen Grenzen überwinden, mutig sein. Auf diesen Grundgedanken aufbauend, entwickelte der Offizier ein Training, das Soldaten darauf trimmte, sich effektive Wege durch die Natur zu suchen.

„Das ist die eine Seite der Geschichte”, erzählt Fabian. Dann sei da noch David Belle, der Gründer des heutigen Parkour. Sein Vater hatte als Soldat im Vietnamkrieg gedient und kannte die Méthode Naturelle. Spielerisch brachte er seinem Sohn in den Wäldern Nordfrankreichs bei, natürliche Hindernisse zu meistern. Als die Familie in einen Vorort von Paris zog, übertrug David das Gelernte auf die Stadt. Bäume wurden zu Laternenmasten, Unebenheiten zu Bordsteinkanten, Stämme zu Bänken. Parkour war geboren.

An der alten Feuerwache beginnen sie mit dem Aufwärmen. Zügiges joggen, vorwärts, rückwärts, seitwärts. Sie balancieren und krabbeln im Krebsgang über den Rasen. Den ersten Teilnehmern wird ein wenig schlecht, sie müssen langsamer machen. Schnell wird deutlich, dass beim Parkour jeder seine eigenen Grenzen kennen lernen muss.

Dann wärmen die Jungs ihre Gelenke auf. „Wir dehnen uns nicht”, sagt Fabian. Es werde lediglich die Gelenkflüssigkeit mit einigen Übungen aufgewärmt. Weiter geht es, mit „Präszis”, die Präzisionssprünge. „Nehmt euch eine Linie und springt darauf. Tut dabei so, als wäre die Linie ein Geländer, von dem ihr nicht herunterfallen dürft”, erklärt Fabian. Dann hüpfen sie. Erst auf die Linien, dann vor die Hände der Trainer, die auf dem Boden liegend vor allem zur psychologischen Hürde im Kopf werden.

Training in Münster

Die Traceure, so heißen Menschen, die Parkour machen, treffen sich an jedem Samstag zum Training. Einsteiger können einfach an jedem ersten Samstag im Monat dazukommen. Weitere Informationen sowie die Einverständniserklärung, die Minderjährige von ihren Eltern unterschrieben mitbringen müssen, finden sich im Internet unter  www.parkour-muenster.de .

...

Schließlich geht es an die Treppenstufen. Die einfachen Sprünge, die bei Moritz Roux so leise und elegant sind, klingen bei den Anfängern noch ein wenig plump. Schuhsohlen quietschen und die Ballen sorgen für dumpfe Töne nach der Landung auf dem Beton. Doch nach etwa zehn Sprüngen gelingen auch Coraghessan, Yannic und Marvin die ersten leisen Landungen.

Um das Balancieren zu üben, zieht die Gruppe schließlich an die stillgelegten Bahngleise am Hafen. Auf den schmalen Schienen stehend werfen sie sich Steine zu und gehen dabei in die Hocke. Es ist eine angenehme Atmosphäre. Wer schon länger dabei ist, hilft den Neuen, gibt Tipps, ohne überheblich zu sein. „Nichts ist richtig oder falsch”, sagt Fabian. Am Ende müsse jeder seinen eigenen Weg über ein Hindernis finden. Parkour sei kein Wettkampfsport. „Man ist bei sich, das ist das Schöne daran”, findet Fabian.

Weil es beim Parkour keine Hilfestellungen wie beim Turnen gibt, müssen die Teilnehmer zwei Sachen beherrschen: Die Sicherheitsrolle, um sich bei Stürzen abzufangen, und sie müssen sich selbst einschätzen können. Um das zu üben, schickt Fabian die Gruppe an die Treppenstufen vor dem Borchert-Theater. „Spring so hoch, wie du es sicher schaffen kannst”, lautet die Aufgabe. Yannic schätzt „Drei” und schafft es. Marvin zögert: „Vier”, sagt er dann. Auch er überwindet die Stufen. „Warum warst du unsicher”, fragt Fabian. „Weil ich, weiß, was alles passieren kann, wenn man danebenspringt”, antwortet Marvin.

Fabian nickt. Darum gehe es. Nur das zu tun, was man sicher alleine schaffen kann – ohne sich zu verletzen. Sich diese Gedanken zu machen, macht Parkour für die Jungs zur Herausforderung – und den Sport zu etwas Besonderem. 

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