Ein Fest für Marga Spiegel
Ein berührender 100. Geburtstag

Münster -

Marga Spiegel, Holocaust-Überlebende und Aushängeschild des Judentums in der Nachkriegszeit, wurde am Donnerstag groß gefeiert.

Donnerstag, 21.06.2012, 21:06 Uhr

Ein Fest für Marga Spiegel : Ein berührender 100. Geburtstag
100 Jahre: Marga Spiegel neben Oberbürgermeister Markus Lewe im Erbdrostenhof Foto: Oliver Werner

Viel Prominenz, viel Applaus für eine kleine Frau, die elegant den Festsaal des Erbdrostenhof betritt. Die 100 Jahre sieht man Marga Spiegel nicht an, sie lächelt in die Kameras. Es ist ihr Fest.

Wie die Jüdin, die Nazi-Deutschland unter dem Schutz westfälischer Bauern überlebte, wirklich empfindet, sagt sie vorher. Als sie aus dem Wagen aussteigt, der sie vom Aegidiimarkt hierher brachte: „Der Tag ist nicht so glücklich. Mir fehlen die 37 Menschen aus meiner Familie, die ermordet wurden.“ Ein bitterer Beigeschmack, der bleibt.

Im Saal ist es Domprobst Felix Schumacher, der mit einer persönlichen Rede nachdenklich macht. Er erinnert an seinen Großvater, ein Jahr vor Marga Spiegel geboren, 1911: „Er war ein Nazi und nicht nur ein Mitläufer.“ Schumacher, 1942 in eine Welt geboren, in der jüdisches Leben ausgelöscht war, lebt mit der ererbten Schuld. Man könne nur beschämt den Kopf schütteln.

Trotzdem, es ist ein heiteres Fest. Lit-Verleger Dr. Wilhelm Hopf stellt ein neues Buch vor: „100 Jahre, vier Leben.“ Marga Spiegels Lebensphasen: 12 Jahre Verfolgung und Todesangst gehören dazu. Aber auch 67 Jahre „als geretteter Mensch, als Jüdin in Deutschland “.

OB Markus Lewe gratulierte der 100-Jährigen: „Wir sind wahnsinnig stolz auf Sie.“ Der „lieben Schlemilde“ wünschte auch Sharon Fehr von der jüdischen Gemeinde Masel tov. Dazu gab‘s jüdische Musik von Berliner Kantoren.

Für Auflockerung sorgte die Familie. Sohn Daniel im knallblauen Sakko war mit Kind und Kegel aus Spanien angereist. Er trug Turnschuhe: „In der Aufregung habe ich zwei rechte schwarze Schuhe eingepackt.“

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