Integration erleichtern
Sport und Spaß für die Sprache

Münster -

Skaten lernen – und dazu die deutsche Sprache: Eine Idee, die Sportlehrer Norbert Stegemann von der Geistschule gemeinsam mit der Skate-Aid-Stiftung von Titus Dittmann umsetzt.

Dienstag, 19.06.2012, 19:06 Uhr

Integration erleichtern : Sport und Spaß für die Sprache
Auf Rollen rasant unterwegs: Die Geistschüler finden es klasse, einmal wöchentlich im Skaters Palace abzurollen. Sie lernen, Skateboard zu fahren, aber dabei auch die deutsche Sprache. Titus Dittmann freut sich, dass das Projekt so gut läuft. Foto: Matthias Ahlke

Titus Dittmann verliert nicht viele Worte. „Ich freu’ mich total, dass das läuft“, sagt Münsters Skateboard-Pionier. Es läuft nicht nur, es rollt richtig. Im Skaters Palace geben sich ja täglich die Meister der Skateboarding-Welt ein Stelldichein. Jetzt mischen sich gezielt Geistschüler unter die rasanten Fahrer – eine Aktion, die ihre Schule und Dittmanns Skate-Aid-Stiftung gemeinsam ins Rollen gebracht haben.

„Wir wollen Kinder und Jugendliche, die noch neu und fremd in Münster sind, fördern und ihnen die Integration erleichtern“, sagt Sportlehrer Norbert Stegemann . Seine Idee geht auf: „Wir haben uns gesucht und gefunden“, ergänzt Torben Oberhellmann. Der Vorstand der Titus-Dittman-Stiftung findet es klasse, dass Skate-Aid so auch mal direkt in Münster zeigt, was die Stiftung sonst weltweit antreibt: Kinder- und Jugendprojekte, und zwar immer da, wo Kinder ohne Kindheit groß werden – zum Beispiel in Afghanistan , in Tansania, Uganda und Costa-Rica.

Nun also Münster, die Geistschule und Titus: Wöchentlich dienstags zwei Stunden stehen zehn bis 15 Geistschüler im Skaters Palace auf den Rollen, die schon vielen vor ihnen die Welt bedeuten. Unter Anleitung von Michael Bölt, einem Sportstudenten aus dem Skateboard-Seminar des Uni-Lehrbeauftragten Dittmann, ausgerüstet mit Knie-, Knöchelschonern und Helm, rollen sie sich ein. „Auf diese Weise helfen wir ihnen zugleich spielerisch, leichter Deutsch zu lernen“, erläutert Norbert Stegemann die Verknüpfung von Sport, Spaß und Sprache.

Auch als Gruppe wachsen die Jungs – Mädchen sind bisher noch nicht mit von der Partie – gut zusammen, haben sich viel zu erzählen, knüpfen Kontakt zu anderen: „Das ist uns wichtig, das verbindet, das erleichtert das Einleben in Münster“, stellen alle Akteure zufrieden fest. Norbert Stegemann freut sich darüber, dass seine Schüler schnell Kontakt zu anderen Jugendlichen im Skaters Palace finden. „Das Gefühl, willkommen zu sein, unterstützt die Kids auf dem oft schwierigen Weg in ein neues Leben“, betont der Sportlehrer, der auf dem Skateboard zwar geradeaus rollen kann, die Schwünge, Stufen und Kurven aber den Schülern überlässt.

„Es ist supergut, wenn Schüler etwas besser können als ihre Lehrer“, ist Titus Dittmann überzeugt. So entstehe Persönlichkeit, Selbstbewusstsein, die Jungs spüren: „Das ist vor allem unser Ding, da redet uns keiner rein, das nimmt uns keiner weg.“

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