Prozess am Amtsgericht
Todesraser muss ins Gefängnis

Der "Todesraser von Roxel" muss für zwei Jahre und elf Monate ins Gefängnis. Am 5. November 2011 war der 26-jährige Sofian S. in einer Kurve in Roxel mit seinem BMW von der Fahrbahn abgekommen und frontal mit dem Pkw einer 43-jährigen alleinerziehenden Mutter zusammengestoßen. Die Frau erlag wenig später ihren Verletzungen.

Dienstag, 05.06.2012, 19:06 Uhr

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  • Bei einem Unfall verstarb am 5.11.2011 eine 43-jährige Frau, der Unfallverursacher wurde zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

    Foto: Claus Röttig
  • Bei einem Unfall verstarb am 5.11.2011 eine 43-jährige Frau, der Unfallverursacher wurde zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

    Foto: Claus Röttig
  • Bei einem Unfall verstarb am 5.11.2011 eine 43-jährige Frau, der Unfallverursacher wurde zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

    Foto: Claus Röttig
  • Bei einem Unfall verstarb am 5.11.2011 eine 43-jährige Frau, der Unfallverursacher wurde zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

    Foto: Claus Röttig
  • Bei einem Unfall verstarb am 5.11.2011 eine 43-jährige Frau, der Unfallverursacher wurde zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

    Foto: Claus Röttig
  • Bei einem Unfall verstarb am 5.11.2011 eine 43-jährige Frau, der Unfallverursacher wurde zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

    Foto: Claus Röttig
  • Bei einem Unfall verstarb am 5.11.2011 eine 43-jährige Frau, der Unfallverursacher wurde zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

    Foto: Claus Röttig

Sofian S. beherrscht die Rolle des „Häufleins Elend“ perfekt. Vier Stunden lang sitzt er mit hängenden Schultern und Unschuldsblick auf der Anklagebank, bricht immer wieder in Tränen aus. Als er sich bei den Angehörigen der 43-jährigen alleinerziehenden Mutter, die durch seine Schuld ums Leben gekommen ist, entschuldigen will, platzt dem Schwager des Opfers im Zuschauerraum des Amtsgerichts der Kragen: „Du hast eine ganze Familie zerstört. Eine Mutter von drei Kindern ist tot. Das jüngste ist gerade mal sechs Jahre alt.“

Rückblende. In der Nacht zum 5. November 2011 lässt es der 26-jährige Jordanier in der Diskothek „Heaven“ so richtig krachen. Als er mit seinem PS-starken BMW nach Hause fährt, hat er 1,19 Promille Alkohol sowie Reste von Cannabis und Kokain im Blut, stellen Gutachter später fest. Mit bis zu 155 Stundenkilometern nähert er sich um 6.10 Uhr auf dem Roxeler Oberort einer Kurve, in der nur 70 erlaubt sind. Sofian S. verliert die Kontrolle über sein Fahrzeug und knallt frontal in das Fahrzeug der 43-Jährigen. Für sie kommt jede Hilfe zu spät.

„Nach diesem verheerenden Unfall ist es für mich unvorstellbar, dass sie eine Bewährungsstrafe erhalten“, stellt der Vorsitzende Richter klar. Sofian S. muss wegen fahrlässiger Tötung für zwei Jahre und elf Monate ins Gefängnis, zudem wird ihm für drei Jahre die Fahrerlaubnis entzogen. Dass sich der 26-Jährige geständig zeigte, half ihm nicht weiter: Die Liste seiner Vergehen im Straßenverkehr ist ähnlich lang wie die Liste seiner Vorstrafen wegen Diebstahl, Hehlerei, räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung, Nötigung, Bedrohung . . . Auch am Tag, als er zugedröhnt seinen BMW steuerte, war er nur auf Bewährung auf freiem Fuß.

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Foto: Claus Röttig

Das „Häuflein Elend“, dies wurde gestern klar, ist in Wirklichkeit ein ganz harter Knochen. Ein Teil der verhängten Strafe entfällt auf eine saftige Polizeibeamten-Beleidigung („Ihr Nazis“). Todesdrohungen gegenüber seiner Ex-Verlobten, die er über Jahre wiederholt brutal misshandelte, sollen in einem weiteren Verfahren verhandelt werden.

Nicht nur die Fakten sprachen gestern gegen Sofian S., dessen Bruder, ein als „König von Gievenbeck“ bekannt gewordener Intensivstraftäter, derzeit auf die Abschiebung nach Jordanien wartet. Auch sein Verhalten vor Gericht erschien Staatsanwaltschaft und Vorsitzendem Richter alles andere als glaubwürdig. Während der 26-Jährige beteuerte, sich an nichts erinnern zu können, bestätigten Zeugen, dass sie sich direkt nach dem Unfall munter mit dem ehemaligen Pasta-Koch, der heute von Hartz IV lebt, unterhielten. „Jetzt sind wohl 22 000 Euro Schrott“, hat Sofian S. nach Angaben eines Zeugen gejammert. „Ob noch ein anderer am Urteil beteiligt war, hat er nicht gefragt.“

Seit dem Unfall lebt Sofian S. übrigens bei seiner Mutter. Zum Prozess begleitete sie ihren Sohn. Drei Kinder aus Albachten haben seit dem 5. November 2011 keine Mutter mehr.

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