Schloss- oder Hindenburgplatz
Historikerin kritisiert Debatte: "Furchtbar blamabel für Münster“

Münster -

Als „furchtbar blamabel“ empfindet Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger die Hindenburg-Debatte. Die Historikerin kritisiert, dass in Münster möglicherweise ein bedeutender Platz den Namen des ehemaligen Reichspräsidenten zurück erhält. Die Friedensstadt schicke sich an, damit ausdrücklich einen Kriegstreiber zu ehren

Montag, 18.06.2012, 08:06 Uhr

Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger ist „entsetzt“. Dass in Münster möglicherweise in naher Zukunft ein bedeutender Platz der Stadt den Namen des ehemaligen Reichspräsidenten Hindenburg erhält, findet die Historikerin, Trägerin des Leibniz-Preises und Sprecherin des Exzellenzclusters Religion und Politik der Universität Münster , „furchtbar blamabel“.

„Es ist ein Unterschied, ob ein Platz, der jahrzehntelang den Namen Hindenburgs trägt und diese Bezeichnung stillschweigend behält, oder ob ihm aktiv dieser Name zurückgegeben wird“, betont Stollberg-Rilinger. Die Friedensstadt Münster schicke sich an, damit ausdrücklich einen „Kriegstreiber“ zu ehren. Diejenigen, die jetzt die Rückbenennung forderten, sollten erklären, für welche Werte Hindenburg heute stehen solle.

Umfrage: Soll der Hindenburgplatz umbenannt werden?

„Keine Stadt in Deutschland würde auf die Idee kommen, jetzt eine Straße oder eine Schule nach Hindenburg zu benennen“, sagt die Historikerin und ist sich sicher, dass die öffentliche Debatte um die Bürgerabstimmung für Münster einen schweren Imageschaden verursachen werde. „Ich sehe schon die hämischen Artikel in FAZ und anderen überregionalen Zeitungen über die Provinzposse in Münster“, sagt Stollberg-Rilinger – und weiß sich damit einig mit den aktiven Wissenschaftlern am Historischen Seminar.

Umfrage: Ist Schlossplatz der richtige Name?

Dessen geschäftsführender Direktor Prof. Thomas Großbölting beobachtet die Entwicklung mit ebenfalls „großem Unbehagen“. Barbara Stollberg-Rilinger wurde nicht nur mit dem höchsten deutschen Wissenschaftspreis ausgezeichnet, sondern auch mit der „Putte“ der Kaufmannschaft der Salzstraße.

Die Wissenschaftlerin ist irritiert, dass nun auch einige Kaufleute in Münster in ihren Geschäften Unterschriften für die Rückbenennung des Hindenburgplatzes sammelten, wie sie sagt. Sie appelliert an diese Kaufleute, die Folgen für Münsters Ansehen zu bedenken.

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Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger findet es blamabel, erhielte Münster wieder einen Hindenburgplatz.

Die Universität als Anliegerin hält sich offiziell in der Hindenburgplatz-Debatte zurück: „Zu dieser politischen Frage äußern wir uns nicht“, sagt Uni-Pressesprecher Norbert Robers.

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