Stefan Leschniok zu dem Bürgerbegehren „Pro Hindenburgplatz“
„Münsters Ruf leidet nicht“

Münster -

Die Münsteraner steuern auf einen weiteren Bürgerentscheid zu. Die Bürgerinitiative „Pro Hindenburgplatz“ überreichte gestern im Rathaus zwei große Kartons, die nach eigenen Angaben 16 689 Unterschriften enthalten. Ihr Ziel: die Umbenennung des Hindenburgplatzes in Schlossplatz soll rückgängig gemacht werden. WN-Redakteur Klaus Baumeister sprach über das Thema mit Stefan Leschniok, Sprecher der Bürgerinitiative.

Samstag, 23.06.2012, 15:06 Uhr

Stefan Leschniok zu dem Bürgerbegehren „Pro Hindenburgplatz“ : „Münsters Ruf leidet nicht“
Stefan Leschniok mit den Unterschriftenlisten „Pro Hindenburgplatz“. Foto: -kb-

Herr Leschniok , die Bürgerinitiative „Pro Hindenburgplatz “ hat nach eigenem Bekunden 16 689 Unterschriften gesammelt. Rechtfertigt ein bloßer Straßenname einen derartigen Aufwand?

Leschniok: Auf jeden Fall. Wir konnten an den Ständen spüren, dass der Hindenburgplatz und seine Umbenennung den Münsteranern unter den Nägeln brennt.

Was haben Sie gegen den Namen Schlossplatz?

Leschniok: Nichts. Den Namen gab es ja früher schon und bezeichnet den engen Bereich vor dem Schloss. Uns geht es lediglich darum, dass die Umbenennung des Hindenburgplatzes rückgängig gemacht wird. Wir halten diese Entscheidung für falsch und kritisieren auch das Verfahren, wie es zu diesem Ratsbeschluss gekommen ist.

Was meinen Sie damit?

Leschniok: Aus vielen Umfragen ist bekannt, dass die Mehrheit der Münsteraner den Namen Hindenburgplatz behalten möchte. Zu Beginn der Debatte hat der Oberbürgermeister eine breite Bürgerbeteiligung zugesichert. Diese Bürgerbeteiligung aber hat es nie gegeben.

Beschreiben Sie mal die Menschen, die bei Ihnen unterschrieben haben.

Leschniok: Bei den Unterschriften sind alle Altersschichten vertreten. Interessanterweise haben uns Rentner und Studenten überproportional stark unterstützt. Wenn kritische Aspekte angesprochen wurden, dann meist von der mittleren Generation, sprich von Menschen so um die 50.  

Warum gerade Rentner und Studenten?

Leschniok: Bei älteren Menschen kann ich mir vorstellen, dass bei ihnen die emotionale Bindung zum Namen Hindenburgplatz besonders ausgeprägt ist. Was die vielen Menschen im Alter von 20 bis 30 Jahren betrifft, die unterschrieben haben, so habe ich keine Erklärung für dieses Phänomen, finde es aber bemerkenswert.

Sie sind CDU-Mitglied. Wie erleben Sie die Diskussion in Ihrer Partei?

Leschniok: Es gab eine Mitgliederbefragung, bei der sich 90 Prozent der Teilnehmer gegen eine Umbenennung ausgesprochen haben. Auch der Kreisvorstand hat ein negatives Votum abgegeben. Natürlich ist die Situation nicht ganz einfach, weil der Oberbürgermeister und Teile der Ratsfraktion die Umbenennung begrüßen. Ich würde aber sagen, dass die Stimmung an der Basis auf unserer Seite ist. Das belegen auch die vielen Rückmeldungen, die ich erhalte.

Kritiker werfen der Bürgerinitiative vor, die nationalsozialistische Vergangenheit zu verharmlosen. Zu Recht?

Leschniok: Nein, eindeutig nein. Die Debatte über die Person Hindenburg wurde uns von außen aufgedrückt. Wir sehen den Namen Hindenburgplatz im Zusammenhang mit einer Erinnerungskultur. Wir betrachten ihn nicht als Ehrung Hindenburgs, der als Person sicherlich seine Fehler hatte. Eine Beibehaltung des Namens Hindenburgplatz und eine skeptische Betrachtung der Person Hindenburgs schließen einander nicht aus. Wir hätten als Bürgerinitiative auch kein Problem damit, wenn auf dem Hindenburgplatz Hinweisschilder angebracht werden, die Hindenburg in seiner historischen Ambivalenz darstellen.

Es gibt Berichte über Kontakte zwischen der Bürgerinitiative und der Partei „Pro NRW“. Was ist da dran?

Leschniok: Nichts. „Pro NRW“ behauptet auf seiner Internetseite, dass sie uns unterstützt. Wir Sprecher der Bürgerinitiative wissen davon nichts. Bei mir drängt sich der Verdacht auf, dass es sich hierbei um eine Trittbrettfahrerei handelt. Unsere Initiative ist überparteilich, und wir wollen mit Extremisten nichts zu tun haben.

Münsters Image als weltoffene Universitätsstadt könnte durch einen Bürgerentscheid „Pro Hindenburgplatz“ leiden. Das wäre ein sehr hoher Preis für die von Ihnen angestrebte Rückumbenennung.

Leschniok: Ich sehe bislang nicht, dass Münsters Ruf unter dieser Debatte leidet. Diese Befürchtungen sind auch bereits im Zuge des Bürgerbegehrens geäußert worden. Die überregionalen Medien, die ich zu diesem Thema gelesen habe, beschäftigen sich mehr mit der Frage, ob eine Umbenennung nach 85 Jahren noch notwendig ist, und mit dem fragwürdigen Verfahren als mit der vermeintlichen Gefahr, die von unserer Initiative und einem Bürgerentscheid ausgehen soll. Ganz abgesehen davon bin ich der Überzeugung, dass eine offene Gesellschaft in Münster diese Diskussion aushalten muss.

Gesetzt den Fall, es kommt zum Bürgerentscheid: Glauben Sie, dass Sie ihn gewinnen werden?

Leschniok: Ich bin optimistisch.

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