„Wir können neu aufatmen“: Meike Friedrich im Interview
Designierte Superintendentin möchte im Kirchenkreis Wachstumsimpulse setzen

Münster -

Die Synodalen lobten nach der Wahl ihre Klarheit, Vitalität und Authentizität. Mit 69 Stimmen setzte sich die Dortmunder Pfarrerin Meike Friedrich (43) auf der Wahlsynode des Evangelischen Kirchenkreises Münster am Mittwoch gleich im ersten Wahlgang mit deutlichem Abstand durch. Kurz nach der Wahl sprach unser Redaktionsmitglied Johannes Loy mit der neuen Superintendentin.

Mittwoch, 20.06.2012, 18:06 Uhr

„Wir können neu aufatmen“: Meike Friedrich im Interview : Designierte Superintendentin möchte im Kirchenkreis Wachstumsimpulse setzen
Blumen für die neue Superintendentin Meike Friedrich (43): Die beiden unterlegenen Kandidaten Jan von Campenhausen aus Hannover (r.) und Ernst-Eduard Lambeck aus Bielefeld gehörten zu den ersten Gratulanten. Foto: Matthias Ahlke

Als erstes eine beliebte Journalistenfrage: Wie steht es um ihre jetzige Gefühlslage?

Meike Friedrich : Ich habe eigentlich schon vor der Wahl Folgendes gedacht: Ich weiß, was ich mit Dortmund verliere, und ich weiß noch nicht genau, was ich mit Münster gewinne. Es erfüllt mich aber mit Stolz und Freude, dass ich die Synodalen durch meine Vorstellung zu einer eindeutigen Wahl motivieren konnte. Ich bin dankbar dafür.

Was findet die neue Superintendentin im Kirchenkreis Münster vor?

Friedrich: Zunächst einmal ist Münster durch meinen Vorgänger Dr. Dieter Bee­se gut aufgestellt. Alles, was strukturell neu gegliedert werden musste, ist bereits gut geregelt. Nun müssen wir unseren Kirchenkreis und die neu geformten Gemeinden wieder mit neuer Lebendigkeit erfüllen. Ich möchte auch ein Stück Leichtigkeit und Freude in das kirchliche Leben hineinbringen: Es gibt uns noch, wir sind noch da, wir können neu aufatmen.

Die Landessynode in Westfalen hat Annette Kurschus als Präses gewählt, die Kreissynode Meike Friedrich. Wünschen sich die Menschen in dieser Umbruchphase gerade Frauen an der Spitze?

Friedrich: Dass jetzt immer mehr Frauen in Leitungsämter gelangen, bewerte ich wie den Vorgang, dass eine reife Frucht platzt. Mit anderen Worten: Wir hatten Nachholbedarf, dass Frauen in Leitungsfunktionen kommen. Für uns in der Evangelischen Kirche ist das jetzt sozusagen eine ganz normale, lange angelegte Entwicklung.

Was unternehmen Sie nun als erstes?

Friedrich: Ich verfüge über keinen Masterplan. Zunächst werde ich mir im ersten Jahr vornehmen, viele Gemeinden und Einrichtungen zu besuchen, viele Gottesdienste zu feiern und zu hören, was die Menschen und die Gemeinden bewegt.

Sie haben lange in Dortmund gelebt, nun kommen Sie ins beschauliche Münster. Welche Erwartungen löst das bei Ihnen aus?

Friedrich: Die Stadt Dortmund versprüht ihren Charme erst nach einer gewissen Zeit. Und dann ist es schon ein gewaltiger Schritt, sich von dieser Stadt zu verabschieden, zumal dann, wenn man in Sichtweite des Stadions der Dortmunder Borussia gewohnt hat. Münster wirkt auf mich sehr aufgeräumt und kompakt. Natürlich kenne ich die Stadt, da ich ja meine Jugendzeit in Ahlen im Münsterland verbracht habe und häufig hierher zum Einkaufen gefahren bin. Ich bin eigentlich sehr glücklich, in einen Kirchenkreis zu kommen, der sowohl aus dem städtischen Münster wie aus dem ländlichen Münsterland besteht. Münster ist ohne seine Umgebung ja gar nicht denkbar.

Viele Gläubige in beiden großen Kirchen beklagen die Gemeindefusionen, die neue Unübersichtlichkeit und die Erosion des Glaubens an den Rändern großer Gemeinden...

Friedrich: Wir müssen uns darauf besinnen, dass Gemeinden nur lebensfähig sind, wenn sie eine klare Struktur aufweisen. Die Strukturen sind jetzt geordnet. Jetzt gilt es, wieder neue Wachstumszellen in den Gemeinden zu etablieren. Kirche muss konkret erkennbar bleiben in Orten und Personen.

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