Fachbuch und Dissertationen im Visier
Plagiatsvorwürfe gegen Jura-Institut der Uni Münster

Münster -

Wie peinlich. Ausgerechnet ein Fachbuch mit dem Titel „Juristische Arbeitstechniken und Methoden – wissenschaftliches Arbeiten für Juristen in Zeiten des Internet“ muss sich Plagiatsvorwürfen stellen. Der Nomos/UTB-Verlag hat das Werk mehrerer Autoren, das unter der Regie von Prof. Dr. Bernd Holznagel von der münsterischen WWU entstanden ist, bereits vor zwei Wochen vom Markt genommen.

Dienstag, 10.07.2012, 07:07 Uhr

Plagiatsvorwürfe gegen juristisches Institut
Rechtswissenschaftlichen Seminar: Mitarbeiter müssen sich Plagiatsvorwürfen von VroniPlag im Internet stellen. Foto: Katja Niemeyer

Und nun hat die Internet-Plattform VroniPlag auch noch die Dissertationen der beiden Holznagel-Co-Autoren ins Visier genommen. Glaubt man den ehrenamtlichen Aktiven der Enthüllungsplattform, enthalten ihre Doktorarbeiten seitenweise nicht gekennzeichnete Zitate. Die Beispiele sind – nach Seiten sortiert – im Internet nachzulesen. Inklusive der ursprünglichen Fundstellen.

In der Arbeit „Innovationsregulierung im Recht der netzgebundenen Elektrizitätswirtschaft“ habe, so VroniPlag , der Autor auf der Hälfte der Seiten nicht kunstgerecht zitiert. Pikant: Gerade für diese Arbeit hatte die Uni 2009 einen Dissertationspreis vergeben. Was das Fachbuch angeht, haben die Autoren sich auf der Verlagsseite und der Homepage des „Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht“ bereits entschuldigt. An dem Buch wären, so heißt es da, jüngere Mitarbeiter beteiligt gewesen. Was offenbar der Qualität geschadet habe.

Die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) will nun die Plagiats-Verdächtigungen gegen zwei ihrer Mitarbeiter mit externen Gutachtern aufklären. Die Gutachter würden am Ende der Untersuchung einen Abschlussbericht erstellen und der Fakultät einen Vorschlag zum weiteren Vorgehen unterbreiten, teilte gestern die Uni-Pressestelle mit.

Mit der Leitung des Gremiums habe die Fakultät einen Rechtswissenschaftler der WWU beauftragt, der bislang in keiner Weise mit den Fällen befasst sei. Die WWU betont ausdrücklich, dass es sich um bislang unbewiesene Behauptungen handele. Zudem seien es die Mitarbeiter selbst gewesen, die den Dekan der Fakultät noch vor der Veröffentlichung der Verdächtigungen um eine Überprüfung ihrer Dissertationen gebeten hätten.

Die WWU hat bereits vor einem Jahr einen Beratungsstab eingerichtet, dem unter anderem die „Vertrauensperson gemäß den Regeln guter wissenschaftlicher Praxis“ und der Justiziar der WWU angehören. Die Aufgabe dieses Gremiums besteht in der Beratung des Rektorats und der Fachbereiche in Verdachtsfällen von Plagiaten unterschiedlicher Art.

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