Noch 250 Soldaten in der York-Kaserne
Goodbye Münster! Die Sinclairs ziehen nach Gütersloh

Münster -

Andrew Sinclair (38) gehört zum 8. Transportregiment und wird nun nach Gütersloh versetzt.  Seit eineinhalb Jahren wohnt die Familie an der Schlesienstraße. Rundherum stehen viele britische Soldatenwohnungen leer.

Mittwoch, 11.07.2012, 14:07 Uhr

Noch 250 Soldaten in der York-Kaserne : Goodbye Münster! Die Sinclairs ziehen nach Gütersloh
Andrew und Nicole Sinclair leben gern in Münster – aber in vier Wochen muss das britisch-deutsche Paar nach Gütersloh umziehen. Foto: Birgitta Raulf

Crums ist eine Mischung aus Yorkshire-Terrier und Dackel. Ihm geht‘s gut. Er liegt auf dem Clubsofa und lässt sich von Nicole Sinclair (29) kraulen: „Wir hatten uns gut eingelebt“, sagt die Soldatenfrau. Aber in vier Wochen ist Umzug. Die Sinclairs gehören zu den letzten britischen Familien, die aus Gremmendorf wegziehen. Die Umzugskisten sind gepackt.

Die Army ist sein Leben

Andrew Sinclair (38) gehört zum 8. Transportregiment. Er wird nach Gütersloh versetzt: „Aber niemand weiß, wann wir Deutschland verlassen.“ Seit eineinhalb Jahren wohnt die Familie an der Schlesienstraße . Rundherum stehen viele britische Soldatenwohnungen leer. „Die Leute kommen hierher, gucken in den Garten, schauen durchs Fenster“, sagt Nicole Sinclair. Das nervt. Und das Gefühl von Sicherheit, das man früher in dieser kleinen britischen Kolonie hatte, gehe verloren.

Alycia (3) und Amelia (6) besuchen den britischen Kindergarten und die Schule in Gievenbeck. „Da ist man darauf eingestellt, dass die Familien öfter umziehen“, sagt ihr Vater. Für ihn ist die Army sein Leben. Seine Familie stammt aus Yorkshire, wanderte nach Südafrika aus. Da trat Sinclair mit 18 in die Armee ein. Später wechselte er zu den britischen Streitkräften. Er war im Irak und 2010 für fünf Monate in Afghanistan.

„Das war nicht schlimm“, sagt der Mann mit dem immer freundlichen Lächeln, „wir haben ja nur die Transporte organisiert.“ Aber seine deutsche Frau, deren Schwester übrigens auch einen britischen Soldaten geheiratet hat, weiß genau: „Die Leute erzählen ihren Frauen nicht alles.“ In Gütersloh soll die Familie vier Jahre bleiben. Ob das passt, das weiß keiner. „Wir werden immer weniger“, sangt Sinclair.

Einzige Alternative wäre das Logistikgewerbe.

Sollte er mal die Armee verlassen, will er ins Logistikgewerbe. Dafür besucht er jetzt schon Kurse. Im Hausflur hängt eine Galerie von fünf Fahrradhelmen. Der sportive Soldat hat zwei: Einen fürs Stadtrad, den anderen fürs Training: „Das ist hier die beste Gegend zum Biken“, sagt er. Meist geht es auf zwei Rädern Richtung Albersloh.

„Wenn alles klappt“, sagt Army-Pressesprecher Mike Whitehurst, „ist die York-Kaserne im Dezember geräumt.“ Aber trotzdem: In Gievenbeck bleibe man ja noch ein Weilchen. Whitehurst wird sentimental: 5000 Soldaten lebten mal in Münster, jetzt sind in der Gremmendorfer Kaserne gerade noch mal 250. „Münster“, sagt er, „war die beste Stadt.“

Die jungen Soldaten, die jetzt noch in Deutschland stationiert sind, landen in Orten wie Fallingborstel – „in the middle of nowhere“. Da ist Münster schon eine andere Nummer. Der beste Platz zum Ausgehen“, grinst Andrew Sinclair, „war für die Soldaten der Landsmann.“

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