Schönheitskur in Handarbeit
Erbdrostenhof wird Stein für Stein gesäubert

Münster -

In mühevoller Handarbeit gehen die Restauratoren vor, um die Barockfassade des Erbdrostenhofes zu sanieren. Die Sandsteinelemente werden gesäubert und über 50 Holzfenster aufgearbeitet. Das 550.000 Euro teure Herausputzen dauert bis zum Herbst an.

Freitag, 13.07.2012, 08:07 Uhr

Schönheitskur in Handarbeit : Erbdrostenhof wird Stein für Stein gesäubert
Restaurator Viktor Herzog säubert mit dem Pinsel und nur mit Wasser die Sandsteinfiguren an der barocken Fassade des Erbdrostenhofes. Ein Hochdruckreiniger wäre der Tod für die zerbrechlichen Ornamente. Foto: Matthias Ahlke

An der Sanierung des historischen Erbdrostenhofes wird mit Hochdruck gearbeitet – was bitte nicht wörtlich zu verstehen ist. Denn scharfe Wasserdüsen haben an der sensiblen Barockfassade nichts verloren. „Sie würden den historischen Sandstein und die Ornamentik zu sehr beschädigen“, warnt Architekt Martin Fischer vom Landschaftsverband. Gemeint ist also vielmehr, dass die Schönheitskur für die von Wind und Wetter ausgemergelte Fassade bereits im Herbst abgeschlossen sein soll. Die Kosten liegen bei 550 000 Euro.

Erbdrostenhof wird saniert

Die erfahrenen Restauratoren nehmen sich zunächst die gut 800 Quadratmeter große Front zur Salzstraße nur mit der Wurzelbürste und dem Pinsel vor, um sie von Dreck und losen Partikeln zu säubern – und das Stein für Stein in mühsamer Handarbeit . Danach ist die 230 Quadratmeter große Seitenwand zur Ringoldsgasse an der Reihe. Dabei schrubben die Männer vorsichtig und nur mit klarem Wasser. Eine scharfe Lauge würde sich ins Gemäuer fressen. Der olle Baumeister Schlaun wäre über das so sensible Vorgehen entzückt.

Seit einer Woche ist die bis zur Traufe dreigeschossige Fassade des von 1753 bis 1757 erbauten Erbdrostenhofes hinter einer riesigen Plane verschwunden. Das Bild vom Verpackungskünstler Christo soll an dieser Stelle nicht zum x-ten Mal bemüht werden, er hätte indes wohl seine Freunde an der verhüllten Front.

Die letzte große Außensanierung war vor über 20 Jahren. „Der Baumberger Sandstein ist sehr weich in seiner Oberflächenstruktur und benötigt eine regelmäßige Pflege“, betont der Technische Betriebsleiter beim Landschaftsverband, Michael Dauskardt . So haben die Experten um den bauleitenden Architekten Bernhard Mensen, die in enger Abstimmung mit den Denkmalschützern vorgehen, zahlreiche Abplatzungen und lose Fugen festgestellt.

Neben der Fassadensanierung werden die Balkongitter und die über 50 Fenster zur Salzstraße und zur Ringoldsgasse aufgearbeitet. „Sie sind ein besonderes Zeugnis der Wiederaufbauleistung“, sagt Dauskardt. „Die Fenster aus den 50er Jahren sind aus Pitchpine, einem robusten amerikanischen Nadelholz.“

Eine Firma nimmt jedes einzelne Holzfenster heraus und mit nach Lemgo . In der dortigen Werkstatt wird der alte Anstrich entfernt und durch eine neue Lackierung ersetzt. Zusätzliche Dichtungen sollen dafür sorgen, dass der Wind nicht mehr ganz so stark durch die Ritzen pfeift. „Ein Energiesparhaus aber wird der Erbdrostenhof mit Sicherheit nie“, weiß Dauskardt.  

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