So schmeckt der Sommer
Wie die Jahreszeiten unseren Geschmackssinn beeinflussen

Münster - Es gibt Lebensmittel, die schmecken nach Sommer: Erdbeeren, Vanilleeis, Weißweinschorle oder Spargelsalat. Gerade zur warmen Jahreszeit haben wir Lust auf leichte Kost, denn der Körper benötigt weniger Energie als im Winter. Doch es gibt auch psychologische Gründe. Ein Gespräch mit Prof. Dr. Guido Ritter, Ernährungswissenschaftler von der Fachhochschule Münster.

Freitag, 27.07.2012, 17:28 Uhr

So schmeckt der Sommer : Wie die Jahreszeiten unseren Geschmackssinn beeinflussen
Dr. Guido Ritter Foto: Hermann Willers

Wie kommt es, dass wir im Sommer anders essen als im Winter?

Guido Ritter : Im Sommer haben wir in der Regel weniger Appetit. Aufgrund der höheren Temperaturen braucht der Köper weniger schwere, kalorienreiche Speisen. Da wollen wir keine fette Gans essen, sondern leichte und fruchtige Kost wie Spargel oder Sommer-Eis. Außerdem wachsen im Sommer bestimmte Obst- und Gemüsesorten, die genau zu unserem Bedürfnis nach Leichtem passen. Daraus leiten sich seit Jahrhunderten traditionelle Gerichte ab.

Und im Winter?

Ritter: Im Winter kompensieren wir mangelndes Licht über die Stimulation des limbischen Systems im Gehirn, was Gerüche verarbeitet und ein wesentlicher Bestandteil unseres Belohnungs- und Glückssystems ist. Viele Gewürze und Süßes machen uns glücklich. So retten wir uns sozusagen über den Winter. Besonders würzige und süße Rezepturen wie für Lebkuchen und Plätzchen sind deshalb traditionelle Winterspeisen. Hinzu kommt, dass wir uns evolutionsbedingt Winterspeck anessen wollen.

Die Lebensmittelindustrie passt sich daran sehr gut an.  

Ritter: Genau. Deshalb gibt es im Sommer zum Beispiel ­Joghurt mit besonders fruchtigen Noten und im Winter mit Geschmacksrichtungen wie Bratapfel oder Glühwein.

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