Vorbereitungen für den Abriss
Beim Bau des Schützenhofbunkers soll gepfuscht worden sein

Münster -

Die baulichen Qualitäten des Schützenhofunkers sollen nicht die besten sein. Offensichtlich wurden dort schon Mauerproben entnommen - die Anwohner erhoffen Information darüber, ob beim Abriss mit Problemen für ihre Häuser zu rechnen ist.

Dienstag, 31.07.2012, 16:07 Uhr

Vorbereitungen für den Abriss  : Beim Bau des Schützenhofbunkers soll gepfuscht worden sein
Der „Galopp-Bunker“ wird das Gebäude an der Wörthstraße genannt, weil er so schnell gebaut wurde. Foto: Matthias Ahlke

Der Schützenhofbunker ist kaum verkauft, und schon beginnen offenbar die Vorbereitungen für den Abriss des Betonklotzes an der Wörthstraße. Der vertraute Klang der „Mauerspechte“, die einst Souvenirs von der Berliner Mauer pickten, hallte unlängst durch die Straße. Offenkundig wurden ein paar Mauerproben unter anderem oben vom Dach gepickt, um sich vom baulichen Zustand ein Bild zu machen. Das könnte auch nötig sein, um nicht ein ähnliches Desaster zu erleben, wie beim Abbruch des Bunkers an der Ottostraße.

Fakt ist: Über die baulichen Qualitäten des Bunkers an der Wörthstraße erzählen Zeitzeugen übereinstimmend, dass das Bauwerk buchstäblich mit heißer Nadel gestrickt worden sei und deshalb am 18. November 1944 nicht standhielt, als eine Bombe auf den zur Hammer Straße hin gelegenen Teil fiel und 68 Menschen in den Tod riss.

„Der Bunker hieß im Volksmund Galopp-Bunker, weil er so rasend schnell gebaut wurde und beim Bau gepfuscht worden ist“

Dieter van Wasen

Dieter Van Wasen, Jahrgang 1937, schnappte als Kind die Gespräche der Erwachsenen auf. Seine Mutter habe immer gesagt: Sie werde nie in den Schützenhofbunker gehen. „Der ist Murks!“ Ein Freund der Familie, der beim Bunkerbau eingespannt war, erzählte hinter vorgehaltener Hand, dass es beim Bau nicht mit rechten Dingen zugegangen sei.

Beweis für die Pfusch-Theorie

Was genau, erfuhr van Wasen von den Erwachsenen nicht. Als Beweis für die Pfusch-Theorie führt er an, dass der „Bunker am Kappenberger Damm ebenfalls einen Bombentreffer abbekam. Dort ist aber nichts passiert.“

Auch Zeitzeuge Georg Volbers , der – wie berichtet – den verhängnisvollen Bombentreffer im Schützenhofbunker 1944 miterlebte, erinnert sich an die Gerüchte der damaligen Zeit. Zwei Gründe für die fehlende Haltbarkeit der zwei Meter dicken Betonwände sind ihm in Erinnerung geblieben.

„Der Bunker wurde in großer Eile gebaut. Im Winter hatte der Beton bei Minusgraden nicht die optimalen Bedingungen, um richtig auszuhärten.“ Auch war von Materialmangel die Rede. Der für den Bau bestimmte Zement sei unter der Hand verschoben worden, so dass die Betonwände und Decken nicht die nötige Stabilität gehabt hätten.

Der Schützenhofbunker wird geschlossen

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  • Sebastian Heldt (l.) und Benjamin Donath (2.v.r.), die im Schützenhofbunker ihren Probenraum verloren, öffnen für Dieter Alke und Heti Kramer ein letztes Mal die Tür.

    Foto: beg
  • Das Gebäude wird demnächst wohl abgerissen.

    Foto: beg
  • Im geplünderten Probenraum tauschten sich die Generationen aus.

    Foto: beg
  • Unter diesem Schild stand der Luftschutzwart und teilte die Schutzräume zu.

    Foto: beg
  • Sebastian Heldt vor der Tür zu seinem Proberaum.

    Foto: beg
  • Der Schützenhofbunker soll abgerissen werden.

    Foto: beg

Kein Wort während der NS-Diktatur

Es hätte den Kopf kosten können, während der Diktatur der Nationalsozialisten über diese Mängel offen zu reden, sind sich die Zeitzeugen einig. Womöglich kommt 70 Jahre später nun die Wahrheit ans Licht, wenn eine Analyse des Materials näheren Aufschluss über die Beständigkeit des Betons gibt.

Mit Spannung werden solche Ergebnisse sicher auch von den Anwohnern erwartet, die den Abriss bekanntlich in großer Sorge für die Unversehrtheit ihrer eigenen Häuser sehen.

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