Vorsitzender Dr. Hugo Fiege im Interview
Ziel der Kaufmannschaft: Neuer Schlossplatz bis 2017

Münster -

Nach sechs Jahren an der Spitze des renommierten Vereines der Kaufmannschaft gibt Dr. Hugo Fiege den Vorsitz ab. Unser Redaktionsmitglied Ralf Repöhler hat sich mit dem 62-jährigen Logistik-Unternehmer unterhalten – über die Kaufmannschaft und deren Stiftung, über einen neu gestalteten Schlossplatz und die aktuelle Namensdebatte.

Sonntag, 01.07.2012, 12:07 Uhr

Herr Dr. Fiege , welche Bilanz ziehen Sie nach sechs Jahren an der Spitze der Kaufmannschaft Münster ?

Fiege: Für mich war es eine besondere Ehre, dieses Amt für zwei Perioden innezuhaben. Es hat sehr viel Freude gemacht, sich in dieser Funktion für unsere schöne Stadt einsetzen zu können.

Zu den Höhepunkten gehört, zum Kramermahl für Münster wichtige Ehrengäste gewonnen zu haben, Politiker wie Angela Merkel und Peer Steinbrück oder Unternehmenschefs wie René Obermann von der Deutschen Telekom .

Die Gründung der Kaufmannsstiftung und das kulturelle Engagement der Kaufmannschaft fallen mir ebenso ein wie das in einem Gottesdienst mit Bischof Felix Genn gefeierte 175. Jubiläum des Vereins oder eine verstärkte, über das Münsterland hinaus- reichend­e Öffentlichkeitsarbeit. Sicher ist auch die erfolgreiche Wiederbelebung der Umgestaltung des Schlossplatzes ein positives Ergebnis.

Betonen möchte ich aber, dass all dies eine Gemeinschaftsleistung der Kaufleute und insbesondere des gesamten Vorstands und des Beirates des Vereins der Kaufmannschaft ist.

Wie wichtig ist dieser traditionsreiche Zusammenschluss für die Stadtentwicklung Münsters?

Fiege: Es kommt immer mehr auf die Mobilisierung der Privatinitiative an, und dabei stehen wir Kaufleute verantwortlich zu unserer Heimatstadt, zum Münsterland und zu Westfalen. Als Beispiel nenne ich die Kaufmannsstiftung, die ein Kapital von über 600 000 Euro aufweist und ihre Erträge zum Wohl der Stadt Münster einsetzt. Wir fragen nicht zuerst, was die Stadt für uns tun kann, sondern wie wir uns für sie einsetzen können.

Wie setzen Sie denn konkret diese Erträge segensreich für Münster ein?

Fiege: Zum Beispiel durch den Ankauf von Skulpturen wie von Martin Boyce aus der Skulpturenausstellung 2007. Wir brauchen mehr privates Engagement für ein gutes soziales und kulturelles Klima.

Mit dem Geld aus den Zinserträgen haben Sie die renommierten Architekten Bolles und Wilson beauftragt, Skizzen für einen neuen Schlossplatz (ehemals Hindenburgplatz) zu entwerfen. Was muss geschehen, damit es zu einer Umgestaltung kommt?

Fiege: Die Resonanz auf die Anfang 2012 vom Verein der Kaufmannschaft vorgestellten Architekturskizzen für die Umgestaltung des Schlossplatzes war enorm positiv. Jetzt kommt es darauf an, diese Initiative auf breiter bürgerschaftlicher Basis unter der Führung der Stadt voranzutragen. Münster muss keineswegs aus einem Dornröschenschlaf wachgeküsst werden, Stadt und Bürgerschaft sollten sich aber vor Selbstzufriedenheit und Selbstgefälligkeit hüten.

Es heißt, Pläne von Professor Baumewerd, der den Schlossplatz zu einem Festplatz mit Schmuckgitter und Tiefgarage darunter umgestalten möchte, würden heute favorisiert.

Fiege: Ja, in der Tat hat Herr Prof. Baumewerd sehr interessante Vorschläge gemacht, die auch vor allem dem Charakter eines Festplatzes entsprechen, was für den Send oder auch andere Veranstaltungen sehr wichtig ist. Gleichzeitig haben wir von Anfang an klargemacht, dass wir die Initiative starten wollen, aber weder für einen bestimmten Architekten noch einen bestimmten Investor. Hauptsache ist, dass endlich Schluss gemacht wird vor dem Schloss mit dieser Staub- oder Schlammwüste, je nach Wetterlage.

Hand aufs Herz: Wann glauben Sie wird der Schlossplatz umgestaltet?

Fiege: Ich bin mir sicher, dass es bis zur nächsten Skulpturenausstellung im Jahr 2017 klappt. Das ist ein realistisches Ziel.

Und wird er dann Schlossplatz oder Hindenburgplatz heißen?

Fiege: Der Umbenennungsprozess war kein Idealbeispiel für Bürgerbeteiligung. Ich warne aber davor, dass wir aus Verärgerung darüber eine Rückumbenennung veranlassen, weil dies in Deutschland völlig falsch verstanden würde. Ich appelliere an alle, den Namen Schlossplatz zu behalten, zumal es ein schöner Name ist.

Herr Fiege, das Kramermahl der Kaufmannschaft ist Münsters gesellschaftlicher Höhepunkt des Jahres. Wer war in Ihrer Zeit als Vorsitzender der interessanteste Ehrengast?

Fiege: Wir bitten Ehrengäste zu uns, die eine Bedeutung haben für die Zukunft Münsters und denen wir signalisieren, auch an die Stadt und die Region zu denken. Das ist dem Verein der Kaufmannschaft seit Jahrzehnten gelungen. Ein Beispiel war Telekom-Chef, René Obermann, als es um die Erhaltung von Telekom-Arbeitsplätzen in Münster ging. Oder genauso der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, bei anstehenden Entscheidungen, wie viele Bundeswehrarbeitsplätze in Münster bestehen bleiben.

Gibt es eine besondere Anekdote über Bundeskanzlerin Merkel zu erzählen?

Fiege: Als Frau Merkel zum Kramermahl zu spät zu kommen drohte – da war sie noch nicht Bundeskanzlerin – habe ich ihr angeboten, ein Flugzeug zu chartern, um sie abzuholen. „Herr Fiege, im Leben nicht, da komme ich lieber zu Fuß“, war ihre Antwort.

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