Wahlrecht mit 16 Jahren
Sind Jugendliche bereit für die Verantwortung?

Münster -

Das Wahlrecht steht auf dem Prüfstand. Jetzt hat das höchste deutsche Gericht das Wahlrecht auf Bundesebene gekippt. Die Politik ist am Zug, ein verfassungsgemäßes Gesetz zu beschließen. Die neue rot-grüne Landesregierung denkt darüber nach, dass künftig schon 16-Jährige den Landtag wählen können.

Montag, 30.07.2012, 07:07 Uhr

Wahlrecht mit 16 Jahren  : Sind Jugendliche bereit für die Verantwortung?
Der Gang zur Wahlurne könnte bald nicht nur auf Kommunal- sondern auch auf Landesebene für Jugendliche ab 16 Jahren möglich sein. Die WN haben sich zu diesem Thema in Münster umgehört. Foto: Peter Beckmann

Es ist gar nicht lange her, da hätte diese Frage Marielle Appelt noch unmittelbar betroffen. Heute, wenige Jahre später, könnte es ihr persönlich egal sein, ob Jugendliche künftig bereits mit 16 Jahren nicht nur auf Kommunal- sondern auch auf Landesebene zur Wahl gehen dürfen, wie es derzeit im Düsseldorfer Landtag diskutiert wird. Doch für die junge Frau steht fest: „Ich hätte mit 16 gern gewählt“. Schließlich hätten auch Teenager schon Interessen, die sie in die Politik einbringen sollten. „Es ist wichtig, dass auch die junge Generation mitreden darf“, findet Appelt.

Ergebnisse einer Umfrage

Eine Meinung, die sie nicht exklusiv vertritt, wie die WN bei ihrer Umfrage feststellten. Sebastian Meyer etwa schlägt in die selbe Kerbe: „Die Reife ist bei den meisten auf alle Fälle vorhanden, ich finde es wichtig, früh Verantwortung zu übernehmen“. Dennoch hält es der 22-Jährige für notwendig, dass Jugendliche besser über das politische Geschehen informiert werden. Doch für die meisten 16-Jährigen gebe es andere Prioritäten als Politik, wenden einige Befragte ein. „Viele wären mit der Verantwortung einfach überfordert“, meint Irmgard Pauer-Wessels.

Und sie erntet Zustimmung, zum Beispiel von Horst Reimann aus Duisburg . Die selbstständige Erarbeitung des politischen Feldes sei für die Mehrheit der Jugendlichen eine zu große Zumutung. Außerdem sei es paradox, dass einerseits eine Herabsetzung des Wahlalters gefordert werde, auf der anderen Seite aber Themen wie das Jugendstrafrecht unangetastet blieben. betont Reimann, „dann müsste man das in Einklang bringen.“ Er hat selbst zwei Kinder, die mit Anfang zwanzig noch nicht allzu lange an die Wahlurne treten dürfen. „Von daher war das bei uns zu Hause auch ein Thema“, erinnert er sich.

„Man kann nicht beim einen erwachsen und beim anderen jugendlich sein“,

Horst Reimann

Die Meinung der Jugendlichen

Doch was sagen die Jugendlichen eigentlich selbst? Die 18-jährige Laura Humbert wäre schon vor zwei Jahren mit Sicherheit wählen gegangen, jedoch kann sie aus Erfahrung sagen: „Ich kenne aber genug junge Leute, denen ich das nicht zutrauen würde!“ Reife und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, seien nicht unbedingt vom Alter abhängig. Die Zweifel vieler Erwachsener kann sie allerdings nachvollziehen.

Die Sorge etwa, die junge Generation ließe sich leicht durch Elternhaus, Freunde und Medien in ihrer Wahl manipulieren, teilen gleich mehrere, überwiegend ältere Befragte. Doch ob man nun für oder gegen die Senkung des Mindestwahlalters ist, eines steht fest: „Es würden überhaupt wieder mehr Leute zur Wahl gehen“, argumentiert unter anderem Anna Ertel und begrüßt deshalb den rot-grünen Vorschlag. Eine andere Dame wirft im Vorbeigehen die Frage „Wählen mit 16 – warum eigentlich nicht?!“ ein. Der Landtag wird bald eine Antwort darauf finden müssen.

 

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