Agnes-Miegel-Straße, der Stehr- und Castelleweg
Knappe Mehrheit: Keine neuen Straßennamen in Münsters Osten

Münster -

Die umstrittenen Straßennamen im Osten der Stadt bleiben erhalten. Gestern entschied die Bezirksvertretung Ost mit knapper Mehrheit von neun zu zehn Stimmen, dass die Agnes-Miegel-Straße, der Stehrweg und der Castelleweg ihre Namen behalten sollen.

Freitag, 24.08.2012, 11:10 Uhr aktualisiert: 24.08.2012, 13:29 Uhr
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  • Hermann Stehr wirft man unterlassenen Widerstand gegen den Nationalsozialismus vor.

    Foto: Carsten Vogel
  • Der Lyriker Heinrich Lersch unterzeichnete ein Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler.

    Foto: Carsten Vogel
  • Der Schriftsteller Friedrich Castelle war NSDAP-Mitglied und leitete einen NS-Propaganda-Sender.

    Foto: kv
  • Karl Wagenfeld soll sich aus voller Überzeugung dem NS-Regime angedient haben.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Der Komponist Franz Ludwig soll mit einigen seiner Werken den Nationalsozialismus verherrlicht haben.

    Foto: Carsten Vogel
  • Eine Erläuterungstafel soll an die Tätigkeit von Ludwig Humborg während der NS-Zeit erinnern.

    Foto: Carsten Vogel
  • Der Carl-Diem-Weg wurde bereits umbenannt.

    Foto: kal
  • Als Autor politischer Schriften nahm Hans Pfitzner eine antisemitische Haltung ein.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Schriftstellerin gilt als Verehrerin Adolf Hitlers und war Mitglied der NSDAP.

    Foto: Carsten Vogel
  • Karl Wilhelm Jötten wird eine Nähe zur NS-Rassenhygiene vorgeworfen.

  • Der Hindenburgplatz wurde bereits in Schlossplatz umbenannt.

    Foto: Matthias Ahlke

Der Castelleweg, der Stehrweg und die Agnes-Miegel-Straße behalten ihre Namen. Das hat die Bezirksvertretung Münster-Ost gestern Abend mit 10:9 Stimmen entschieden.

Wegen der aktuell sehr heftigen Namensdebatte – Schlossplatz oder Hindenburgplatz? – hatte die Stadtverwaltung aus „Sicherheitsgründen“ angeregt, die jeweilen Abstimmungen geheim durchzuführen. Diesem Vorschlag folgte die Bezirksbürgermeisterin Martina Klimek.

Trotzdem kann man davon ausgehen, dass CDU und UWG (zusammen zehn Stimmen) gegen die Umbenennungen votiert haben, SPD , Grüne und FDP (zusammen neun Stimmen) dafür. Die Parteien hatten ein entsprechendes Abstimmungsverhalten angekündigt.

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Stefan Gottkehaskamp, begründete die Position von CDU und UWG damit, dass Straßennamen „Ausdruck des jeweiligen Zeitgeistes“ seien und deshalb nicht nachträglich geändert werden sollten. Darüber hinaus hätten sich 90 Prozent der betroffenen Anwohner an den drei Straßen gegen eine Umbenennung ausgesprochen.

Renate Schmitz (SPD) und Hans-Henning Jasper (FDP) hielten dem entgegen, dass Agnes Miegel , Friedrich Castelle und Hermann Stehr „aktive Stützen des NS-Regimes“ gewesen seien. Miegel habe sich auch nach dem Krieg nie vom Nationalsozialismus distanziert, ergänzte der SPD-Fraktionschef Jörg Koltermann.

Irritationen gab es bei der Abstimmung über den „Verzicht auf die Umbenennung des Heinrich-Lersch-Weges“, der mit 11:8 Stimmen abgelehnt wurde. Die von der Stadt eingesetzte Straßennamen-Kommission hatte den Schriftsteller Heinrich Lersch (1889-1936) als weniger belastet eingestuft und deshalb angeregt, es bei der Anbringung einer Erläuterungstafel zu belassen, aus der hervorgehe, dass „der Name nicht demokratisch beschlossen, sondern im November 1938 festgesetzt wurde“.

Der jetzige Beschluss bedeutet, dass diese Tafel nicht angebracht wird. Der GAL-Fraktionschef Jörn Möltgen sprach von einem „beschämenden Vorgang“.

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