Allwetterzoo: Elefantenbaby lässt auf sich warten
Baustellenlärm lähmt Bullenlust

Münster -

Vielleicht liegt es ja doch an den Damen. Ratna (19) und Corny (16) werden partout nicht schwanger, obwohl Alexander den Ruf eines „Don Juan“ hatte. Um für Nachwuchs zu sorgen, kam der 34-jährige Elefant vor über einem Jahr durch einen spektakulären Tiertausch aus Amersfoort nach Münster. Sein erfolgloser Vorgänger Charmundi wurde ins Exil nach Holland geschickt. Mehrkosten für den Zoo: gut 50 000 Euro.

Mittwoch, 22.08.2012, 14:08 Uhr

Allwetterzoo: Elefantenbaby lässt auf sich warten : Baustellenlärm lähmt Bullenlust
Recht zahnlos wirkt Elefantenbulle Alexander, der eigentlich für Nachwuchs im Zoo sorgen soll. Offensichtlich hemmt ihn der Baustellenlärm. Den rechten Stoßzahn hatte er übrigens mal auf Brautschau verloren. Foto: Matthias Ahlke

Doch der angeblich heißblütige Bulle Alex hat Corny bisher nur ein- oder zweimal gedeckt. Und herausgekommen ist dabei – anders als geplant – gar nichts. Bei Ratna hat er es nicht mal versucht. Da stimmt was nicht! Fest steht, die Kühe haben ihren Zyklus. Trotzdem: „Bei ihnen wird eine Ultraschalluntersuchung vorbereitet, um festzustellen, ob klinisch alles in Ordnung ist“, sagt Zoodirektor Jörg Adler. Denn Bulle Alexander hat seine Qualitäten durch zigfachen Nachwuchs europaweit längst unter Beweis gestellt. Adler: „Dass er plötzlich unfruchtbar ist, wäre sehr unwahrscheinlich.“

Bei seinem ersten Aufenthalt in Münster hatte Alexander dafür gesorgt, dass im Jahr 2000 das erste Elefantenbaby hier überhaupt geboren wurde, das nach 30 Stunden leider wegen einer Infektion starb. Dass beim Comeback tote Hose herrscht, darüber rätselt Adler. Und schiebt es auf den Baustellenlärm . Direkt vor dem Elefantenhaus entsteht der riesige Elefantenpark . „Wir staunen, mit welcher Ruhe die Tiere die Großbaustelle mittragen. Wenn aber bei uns zu Hause in der Nachbarschaft permanent der Presslufthammer gehen würde, hätte man selber ja auch wenig Ruhe“, zeigt Adler Verständnis für Alexander, der wohl in dieser Frage kein Dickhäuter ist.

Ein anderer Grund: Wegen der Bauarbeiten hocken der Bulle und die sechs Kühe, wovon einige wie ältere Tanten für Ratna und Corny sind, permanent aufeinander. „Vielleicht fehlt irgendwie der Kick“, findet Adler. Trotzdem: Einen Baustopp im Zeichen der Liebe wird es nicht geben.

Irgendwie ist es Adler ja ganz lieb, dass es zur Eröffnung des Elefantenparks im Frühsommer 2013 kein Elefantenbaby geben wird. „Das wäre kein kluges Marketing gewesen. So steht im nächsten Jahr der Park im Mittelpunkt und in 2014 der süße Nachwuchs“, blickt er auf die Besucherzahlen. Da aber eine Elefantenkuh 22 Monate trägt, nimmt der Druck auf Alexander nicht ab. „Er hat noch gut zwei Monate Zeit, um mich zufriedenzustellen“, sagt Adler.

Altes Elefantenhaus ist als nächstes dran

Zum Monatsende feiert der fünf Millionen Euro teure Elefantenpark sein Richtfest. Die gigantische Großbaustelle im Herzen des Zoos liegt exakt im Zeitplan und im Kostenrahmen. Mit Blick auf die Fertigstellung im Frühsommer 2013 lenkt Adler den Fokus auf das alte Elefantenhaus mit seinen schäbigen Betonwänden, das an den neuen Elefantenpark angrenzen und die Heimat der sechs Kühe bleiben wird. „Der Klotz kann so nicht bleiben. Ich hab‘ mir schon mal ein Angebot machen lassen“, sagt Zoodirektor Jörg Adler. Es läge im unteren sechsstelligen Bereich, will er dem Aufsichtsrat berichten.

Die Mauern des neuen Bullenhauses stehen bereits. Die beiden riesigen Badebecken werden gerade ausgehoben und gestaltet. Mit dem Bau des asiatischen Langhauses, von dessen Terrasse Besucher die Elefanten beobachten können, wird in vier bis sechs Wochen begonnen.

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