Barlachs Engel schwebt ein
„Güstrower Mahnmal“ hängt bis November in der St.-Johannes-Kapelle

Münster -

Während Studenten im Garten des Wohnheims am Breul Kaffee trinken und vor dem Nachbarhaus der Rasen gemäht wird, fährt vor der St.-Johannes-Kapelle an der Bergstraße ein unscheinbarer Lkw vor, auf dessen Ladefläche sich eine Ikone der Kunstgeschichte befindet: Ernst Barlachs „Güstrower Mahnmal“. Der 2,17 Meter lange und 120 Kilogramm schwere Gips-Engel ist eines der Highlights der großen Barlach-Ausstellung, die ab 16. September an sieben verschiedenen Orten in Münster zu sehen ist.

Freitag, 31.08.2012, 12:08 Uhr

Barlachs Engel schwebt ein : „Güstrower Mahnmal“ hängt bis November in der St.-Johannes-Kapelle
Dr. Jürgen Doppelstein enthüllt das „Güstrower Mahnmal“ von Ernst Barlach. Vom 16. September bis zum 18. November kann es in der St.-Johannes-Kapelle an der Bergstraße bewundert werden. Foto: Matthias Ahlke

Knapp 45 Minuten dauert es, bis der Engel unter der Decke des gotischen Kirchenschiffs befestigt ist. Die entscheidenden Handgriffe nimmt der Direktor der Hamburger Ernst-Barlach-Gesellschaft persönlich vor. „Ich weiß, wie es geht“, sagt Dr. Jürgen Doppelstein . Das ist auch gut so, ist doch der Wert des Engels kaum zu beziffern – schließlich handelt es sich bei ihm um die einzige schwebende Skulptur der Klassischen Moderne.

„Wunderschön“, schwärmt Doppelstein, als der Engel endlich hängt. „In dieser Kirche wirkt er einfach wunderbar.“ Während er das sagt, dreht sich der Engel einmal ganz langsam um sich selbst – so, als wolle er sich den Ort, an dem er bis zum 18. November zu bewundern sein wird, erst einmal genau anschauen. Normalerweise befindet sich das Kunstwerk im Geburtshaus Barlachs in Hamburg-Wedel . Neben diesem Gips-Exemplar gibt es noch drei weitere Versionen des „Güstrower Mahnmals “, diese hängen im Güstrower Dom, im Landesmuseum Schloss Gottorf sowie in der Antoniterkirche in Köln.

„Der Engel, der jetzt in Münster zu sehen ist, ist das Ur-Kunstwerk“, betont Doppelstein. Er wurde nach einem Modell gegossen, das im Jahr 1952 gefertigt wurde. Tatsächlich schuf Barlach sein Mahnmal bereits im Jahr 1927. Diesen allerersten Güstrower Engel ließen die Nationalsozialisten jedoch 1937 entfernen und später einschmelzen. Barlach galt im Dritten Reich als „entartet“. Der Engel in der Johannes-Kapelle war bereits viel unterwegs, er wurde unter anderem in Teheran, Antwerpen, Rom und Istanbul gezeigt. „Jedes Mal“, betont Doppelstein, „waren die Menschen beeindruckt.“ Dr. Heike Plaß, Projektleiterin der Ausstellung, drückt es noch etwas flotter aus: „Die Menschen fliegen auf diesen Engel.“ In den kommenden Wochen sind in Münster annähernd 500 Werke Barlachs zu bewundern.

► Ausführliche Informationen zu der Ausstellung im Internet unter der Adresse www.barlach-muenster.de .

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