Drei Fragen an Mouhanad Khorchide
Islamunterricht ist "Beitrag zur Integration"

Münster (dpa/lnw) - Der neue islamische Religionsunterricht startet am Mittwoch in Nordrhein-Westfalens Schulen. Dieses Angebot sei wichtig für die Integration und ein Zeichen der Anerkennung junger Muslime, sagt Mouhanad Khorchide im dpa-Interview. Er ist Professor für islamische Religionspädagogik der Uni Münster. „Junge Menschen sollen in der Lage sein, zwischen menschenfreundlichen und menschenfeindlichen Angeboten unterscheiden zu können.“

Mittwoch, 22.08.2012, 14:08 Uhr

Drei Fragen an Mouhanad Khorchide : Islamunterricht ist "Beitrag zur Integration"
Mouhanad Khorchide, Professor für islamische Religionspädagogik der Uni Münster Foto: dpa

Herr Professor Khorchide , welchen Beitrag zur Integration leistet der neue Islamunterricht ?

Khorchide: „Wir haben etwa 900 000 Schüler muslimischen Glaubens in Deutschland , davon 320 000 in NRW . Sie sind zum großen Teil in Deutschland aufgewachsen. Es ist ihre Heimat. Sie identifizieren sich sehr stark mit ihrer Religion, wissen allerdings sehr wenig darüber. Sie haben keinen reflektierten Zugang dazu. Der Unterricht bietet die Möglichkeit, genau zu verstehen: Was ist eigentlich meine Religion? Was will eigentlich meine Religion von mir? Auch zu hinterfragen: Ist etwas Teil meiner Religion oder sind es nur Traditionen? Da leistet reflektierter Religionsunterricht einen Beitrag zur Integration. Junge Menschen sollen in der Lage sein, zwischen menschenfreundlichen und menschenfeindlichen Angeboten unterscheiden zu können.“

Wie nah am Alltag wird der Unterricht sein?

Khorchide: „Die Lebenswirklichkeit muss Ausgang eines modernen Religionsunterrichts sein. Der Lehrer erzählt häufig irgendetwas aus einem Buch oder was Gelehrte im 9. und 10. Jahrhundert gesagt haben. Schüler wollen das nicht einfach hinnehmen, sondern stellen die Frage: Was bedeutet das für mich? Was sagt mir der Koran im 21. Jahrhundert in Deutschland? Die Verknüpfung von Lebenswirklichkeit und theologischen Inhalten muss der Religionsunterricht leisten, damit Religion nicht zu etwas Abstraktem ohne Lebensbezug wird.“

Wann werden wir genug Islamlehrer haben?

Khorchide: „Bundesweit braucht Deutschland zwischen 2000 und 2500 Lehrkräfte, NRW 700 bis 800. Wir haben momentan circa 120 Lehrer in NRW, die Islamkunde unterrichten und man möchte sukzessive an den Schulen den bekenntnisorientierten Islamunterricht einführen. Wir haben nicht Plätze für alle. Aber mindestens 120 werden wir besetzen können. 2019 werden wir die ersten 100 bis 120 Absolventen haben. Dann werden wir jedes Jahr 100 Absolventen haben. In zehn Jahren werden wir in NRW den Großteil des Bedarfes gedeckt haben.

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