Krimi-Serie
Der wahre Herr der Bücher in Wilsbergs Antiquariat

Zwei Mal im Jahr wechselt ein kleiner Buchladen in Münster scheinbar den Besitzer. Über dem Eingang prangt plötzlich ein Schild mit dem Aufdruck: „Antiquariat Wilsberg“. Und der Laden kommt ins Fernsehen.

Dienstag, 21.08.2012, 09:08 Uhr

Antiquariat Solder
Der Antiquar Michael Solder steht im Eingang seines Antiquariats in Münster. Hier wird seit 14 Jahren die "Wilsberg"-Serie gedreht. Foto: Oliver Krato (dpa)

Michael Solder wollte einen guten Eindruck machen, als das Filmteam von Wilsberg zum ersten Mal in seinem Antiquariat stand. Putzte Fenster und war stolz. Richtig schön geglänzt haben die. Allein: Die Kameraleute stöhnten. „Jetzt müssen wir die wieder schmutzig machen!“ Schließlich sollte der urige Laden angemessen alt aussehen.

Das war vor mehr als 14 Jahren. Inzwischen weiß Solder, was er zu tun hat, bevor das ZDF-Team seinen Laden stürmt, um dort Szenen für die beliebten Krimis zu drehen: Den Boden freimachen, auf dem sich sonst Lexika mit Pergament-Einbänden und Jahrhunderte alte Reiseromane stapeln. Den Schreibtisch mit dem modernen Computer und dem EC-Kartenleser leerräumen. Und auf keinen Fall den Staub von den Fenstern wischen. „Die machen das hier altmodischer als es ist“, sagt Solder - für den Serienhelden Wilsberg, Privatdetektiv und Antiquar.

Solder ist ein geduldiger Kerl. Und das ist auch schon das Einzige, was seine Welt mit der des Films zu tun hat. „Man kann sich gar nichts Gegensätzlicheres vorstellen“, sagt er. „Wenn die Fernsehleute herkommen, arbeiten sie anfallartig, ganz intensiv.“ In seinem verwinkelten Laden in Münsters Innenstadt sitzt der 44-Jährige zwischen 10.000 alten Büchern. Morgens macht er die Buchhaltung. Nachmittags kommen Kunden. „Hallo Herr Wilsberg, Sie sehen ja ganz anders aus!“ sagen die Scherzbolde. Oder: „Ist denn der Herr Wilsberg nicht da?“

Samstags fallen die Krimi-Fans im Fünf-Minuten-Takt in den winzigen Verkaufsraum ein, der einmal eine Kupferschmiede war. Dann ist es manchmal fast so voll wie beim Dreh, die Luft steht. Man kann sich vorstellen, wie heiß es erst im Scheinwerferlicht sein muss. Der Horror für die Kameraleute sind die Vitrinen, sagt Solder. „Darin spiegelt sich alles.“ Auch der Platz ist manchmal ein Problem. Zwischen die Regale passt so eben ein schmaler Perserteppich. Das dunkle Regal vorm Fenster, mit Taschenbuch-Ausgaben von Grimms Märchen, Tolstoi und barocken Gedichten muss ein paar Mal im Jahr schweren Kameras und dem Mann mit der Tonangel weichen.

Als Leonard Lansink zeitweise richtig zugenommen habe, sei es ganz schön eng für den Wilsberg-Darsteller geworden, erzählt der echte Antiquar. Als zum allerersten Mal vier 7,5-Tonner mit Crew und Catering über das Kopfsteinpflaster bis vor sein Antiquariat im Überwasserviertel donnerten, hat sich Solder mächtig erschrocken. „Mach ich nicht“, war sein erster Gedanke. „Das war ein Riesenauflauf.“ Er machte es doch - und hat es nie bereut. Über den „Bücherfreund“ Lansink und das Fernsehteam weiß Solder nur Gutes zu erzählen.

Dreharbeiten für zwei neue Wilsberg-Folgen

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  • Foto: Isabel Niesmann
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Bei aller Arbeit ist es eben auch gute Werbung für den Mann aus Münster , sich sein Antiquariat mit einem prominenten Fernsehdetektiv zu teilen. Die Wilsberg-DVDs, die Solder im staubigen Schaufenster anpreist, verkauft er zwischen alten Schätzchen, die mehr als tausend Euro wert sind. Eine war mal aus Versehen im Bild. Intuitiv räumt Solder vor den Besuchen des ZDF die Bände weg, die kaputtgehen könnten. Ansonsten ist der Mann mit der runden Brille mit hauchdünnem goldenen Rand entspannt.

Nur einmal hat er zum Filmteam bisher wieder „Mach ich nicht“ gesagt. „Das Team wollte hier eine Inventur machen, da hätten alle Bücher rausgemusst.“ Am Ende steckte die Crew bis tief in die Nacht Zettelchen in Hunderte Bände, damit es echt aussah. Solder konnte das kaum fassen. „Das war ein Aufwand!“ Ins Fernsehen hat es in den vielen Jahren nicht nur Solders Laden, sondern auch der Antiquar selbst geschafft. Er durfte einen der Schauspieler doubeln - „mit begrenztem Talent“, sagt der 44-Jährige verschmitzt. Soviel war davon allerdings auch gar nicht nötig: Im Bild waren nur seine Schulter und Teile von seinem Bauch zu sehen.

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