Polizeipräsident Wimber: Blechschäden adé
Bei Bagatellunfällen soll die Polizei nicht mehr kommen

Münster -

Unfälle mit Blechschäden. Da muss die Polizei nicht kommen. Das meint Münster Polizeipräsident Hubert Wimber laut Medienberichten. Auch die Begleitung von Schwertransporten soll nach Wimbers Willen keine Polizeiaufgabe mehr sein.

Dienstag, 14.08.2012, 06:08 Uhr

Polizeipräsident Wimber: Blechschäden adé : Bei Bagatellunfällen soll die Polizei nicht mehr kommen
Polizeipräsident Hubert Wimber hinterfragt den bisherigen Aufgabenkatalog von Polizeibeamten. Foto: klm

Im Polizeipräsidium Münster stand gestern das Telefon kaum still. Zahlreiche Medienvertreter aus ganz Deutschland wollten Hubert Wimber sprechen. Der Polizeipräsident hatte mit seiner öffentlichen Forderung, dass Polizisten nicht mehr zu Blechschäden ausrücken sollen, für ein bundesweites Echo gesorgt, wobei die Kritik nicht lange auf sich warten ließ. „Die Bürger haben ein Recht darauf, dass der Unfallhergang durch eine neutrale Instanz festgehalten wird“, sagte Hartmut Rulle von der Gewerkschaft der Polizei aus Münster. Auch im politischen Raum gab es Kopfschütteln.

Wimber ist einer, der sein Wort zu setzen weiß. Wegen seiner positiven Haltung zur Legalisierung von weichen Drogen hatte ihn die CDU im vergangenen Jahr ins Visier genommen. Als neuer Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft deutscher Polizeipräsidenten sprach er sich nun dafür aus, den Aufgabenkatalog der Beamten zu kürzen. Sie sollen nicht mehr ausrücken, um Unfälle mit Blechschäden zu dokumentieren. „Wir haben durch neue Formen der Kriminalität – wie Internet-Straftaten – einen zusätzlichen Personalbedarf.“

Wimber will, dass sich die Polizei von Aufgaben trennt. Mit dem Innenminister sei abgesprochen, dieses heiße Eisen anzupacken. „Warum muss die Polizei Blechschäden im Verkehr aufnehmen, bei denen keiner verletzt wurde? Mit einem Personalaufwand von zwei Kollegen und einem Zeitaufwand von ein bis zwei Stunden klären wir Sachverhalte für die Haftpflichtversicherer“, sagte er. Bagatellunfälle seien keine Aufgabe der Polizei. Sie nähmen aber rund 30 Prozent des Wach- und Wechseldienstes in Anspruch.

Der Sprecher der deutschen Polizeichefs will außerdem die Sicherung bei Fußballspielen einschränken. Ein Drittel der Einsätze der Bereitschaftspolizei seien Fußballeinsätze: laut Wimber 260000 Arbeitsstunden im ersten halben Jahr in NRW. „Von dieser Intensität müssen wir runter.“ Auch stellt er die Frage, warum die Unternehmer nicht selbst für die Begleitung von Schwertransporten verantwortlich sein könnten. „Es gibt sachverständige private Firmen, die das gegen Bezahlung regeln“, so Wimber. 

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